Industrie, Bau, Handel und Dienstleister haben im November trotz der neuen Lockdown-Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie erneut mehr Geld eingenommen. Der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft wuchs saison- und kalenderbereinigt um 1,3 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Im Oktober war das Plus mit 2,4 Prozent allerdings noch größer ausgefallen. "Seit dem Tiefpunkt im April 2020 ist der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft kontinuierlich angestiegen und lag zuletzt über dem Vorkrisenniveau", hieß es. So fiel er im vergangenen Monat um 1,8 Prozent höher aus als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland.

Commerzbank-Ökonom Marco Wagner sieht in der Entwicklung eine gute Nachricht für die deutsche Konjunktur. "Daher dürfte für die Gesamtwirtschaft im vierten Quartal ein erneut gravierender Einbruch ausbleiben", sagte der Experte, der die Industrie und den Bau als wichtige Stützen ausmacht. "Dennoch wird es für die Menschen und die Wirtschaft ein schwieriges Winterhalbjahr bleiben", warnte er. So sprächen die hohen Infektionszahlen dafür, dass der Lockdown über den 10. Jänner hinaus verlängert werde. "Viele Dienstleistungsbereiche liegen angesichts des mittlerweile 'harten' Lockdowns wieder am Boden", betonte Wagner. "Daran dürfte sich vorerst wenig ändern."

Zurückhaltung bei Neueinstellungen

Die deutschen Unternehmen werden angesichts der zweiten Corona-Welle erstmals seit Monaten vorsichtiger mit Neueinstellungen. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer fiel im Dezember um 1,2 auf 95,5 Punkte, wie das Münchner Institut zu seiner Umfrage unter 9000 Firmen mitteilte. Das ist der erste Rückgang nach zuvor sieben Anstiegen in Folge. "Der harte Lockdown führt zu mehr Zurückhaltung bei Neueinstellungen", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Im November wurden erste Beschränkungen im Kampf gegen die zweite Corona-Welle eingeführt. Seither müssen Restaurants geschlossen bleiben und dürfen allenfalls Außer-Haus-Service oder Lieferdienste anbieten. Auch Hotels dürfen nicht für Touristen öffnen. Die Maßnahmen wurden im Dezember verschärft, wobei nahezu fast alle Geschäfte geschlossen bleiben müssen - mit Ausnahme etwa des Lebensmittelhandels und anderer Läden des Alltagsbedarfs. Ökonomen gehen deshalb davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zu Ende gehenden vierten Quartal wieder schrumpfen wird: Das Essener RWI-Institut rechnet mit einem Minus von 1,7 Prozent. Im Sommer hatte es ein Rekordwachstum von 8,5 Prozent gegeben, das auf den historischen Corona-Einbruch von 9,8 Prozent im Frühjahr folgte.

Die Statistiker nutzen für den Einnahmen-Indikator die monatlichen Umsatzsteuer-Voranmeldungen. Das ermöglicht frühzeitige Aussagen - noch bevor die amtlichen Ergebnisse aus den Erhebungen nach Wirtschaftsbereichen vorliegen. Der Frühindikator weist den Angaben zufolge aber noch nicht die methodische Reife und Belastbarkeit amtlicher Statistiken auf und zähle daher zu den experimentellen Daten.

Österreich: Produktion nur noch leicht unter dem Vorjahresniveau

 

Auch in Österreich zeichnet sich Erholung in der Statistik ab. Nach starken coronabedingten Einbrüchen im Frühjahr ist die Produktion in Industrie und Bau im Oktober nur mehr leicht unter dem Vorjahresniveau gelegen. Der arbeitstägig bereinigte Produktionsindex für den produzierenden Bereich ging im Jahresvergleich um 0,6 Prozent zurück, wie die Statistik Austria am Mittwoch mitteilte. Gegenüber September 2020 legte der Produktionsindex saisonal bereinigt um 0,8 Prozent zu.

Während die Industrieproduktion im Oktober 0,6 Prozent über dem Vorjahr lag, gab es im Bau ein Minus von 3,8 Prozent.

"Nach starken Rückgängen im Frühjahr 2020 und der Erholung der Industrie im Juni und Juli zeichnete sich seit September in vielen Produktionsbereichen eine Stagnation des Produktionsindex im Vergleich zu den Vormonatswerten ab", erklärten die Statistiker. Eine der wenigen Ausnahmen war die Kfz-Herstellung, die von September auf Oktober um 6,7 Prozent zulegte. Bei der Energieversorgung gab es einen "merkbaren" Rückgang, ebenso rückläufig waren die Mineralölverarbeitung und die Kokerei. (reuters,apa)