Auf dem internationalen Börsenparkett gab es 2020 nur ein großes Thema: Die Coronapandemie. Diese sorgte im Februar und März weltweit für Kurseinbrüche wie es sie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr gegeben hat. Der Schock hielt jedoch nur kurz an, bis zum Ende des Jahres konnten sich die meisten großen Indizes wieder erholen, viele nehmen sogar ein Kursplus aus dem heurigen Jahr mit.

Zur raschen Erholung an den Aktienmärkten trugen laut Marktexperten vor allem die riesigen Hilfsprogramme der Regierungen sowie der internationalen Notenbanken bei. Hinzu kam in der zweiten Jahreshälfte ein beginnender Optimismus unter den Investoren, dass sich die im zweiten Quartal eingebrochene Weltwirtschaft ab 2021 wieder erholen wird sowie die wachsende Zuversicht rund um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs.

Dax gewann leicht dazu, ATX verlor 12 Prozent

Der deutsche Leitindex Dax gewann auf Jahressicht rund dreieinhalb Prozent. Der europäische Leitindex Euro-Stoxx-50 steht dagegen aktuell bei einem Jahresminus von rund fünf Prozent, beendet den Handel für heuer jedoch erst am Silvestertag. Auch an der Londoner Börse findet am Donnerstag noch Handel statt, am Mittwoch stand beim britischen FTSE-100 Index ein Minus von 13,6 Prozent unterm Strich.

Der ATX büßte auf Jahressicht zwölf Prozent ein. Am Ende des letzten Handelstages im heurigen Jahr stand der Index bei 2.780 Punkten. Damit konnte der ATX die im Februar und März erlittenen Kursverluste zwar nicht gänzlich wieder wettmachen, jedoch das Minus deutlich eingrenzen. Im Vorjahr war sich beim ATX noch ein Plus von rund 16 Prozent ausgegangen.

Den Jahrestiefpunkt erreichte der ATX heuer im März bei 1.622 Punkten, nachdem das Coronavirus begann, sich von Asien aus weltweit auszubreiten und damit die internationale Konjunktur lahmzulegen. Binnen weniger Wochen - beginnend Mitte Februar im Zuge der rasanten Kursverluste an den asiatischen Börsen - brach der Leitindex von rund 3.200 Einheiten auf rund die Hälfte der Punkte ein.

Eine erste Erholung erfolgte aber bereits Ende März und April. An das Niveau von vor der Coronakrise bzw. an das im Jänner erzielte Jahreshoch bei 3.239 Punkten kam der ATX jedoch bis zum Ultimo nicht mehr heran.

An den Finanzmärkten sei "nach ersten Schockreaktionen sehr bald der Blick nach vorne gerichtet" worden, schrieb RBI-Chefanalyst Peter Brezinschek jüngst in einem Marktausblick für das erste Quartal 2021. Insbesondere die Nachrichten rund um die Corona-Impfstoffe hätten im letzten Jahresviertel die Kurse wieder nach oben getrieben.

Performancesieger im ATX waren heuer die Aktien des Verbund (plus 56 Prozent). Ebenfalls mit starken Kursgewinnen gingen die Papiere des Kartonherstellers Mayr-Melnhof (plus 38 Prozent) und AT&S (plus 30 Prozent) aus dem Jahr. Weiters konnten die Voestalpine-Aktien ein Plus von 18 Prozent ins neue Jahr bringen, alle anderen Werte im ATX beschlossen 2020 unverändert oder im negativen Bereich.

Besonders schwach schnitten Öl- und Finanzwerte ab. Als größte Jahresverlierer büßten Schoeller-Bleckmann 38 Prozent ein und OMV 34 Prozent. Auch Immofinanz (minus 30 Prozent), Uniqa (minus 30 Prozent) und Erste Group (minus 26 Prozent) verzeichneten am Ende des Jahres ein deutliches Minus.

Außerhalb des ATX waren Werte aus der Medizinbranche Kursgewinner. Auf Jahressicht konnten die Aktien des Schutzhandschuhherstellers Semperit über 118 Prozent zulegen und waren damit im Krisenjahr 2020 die mit Abstand größten Gewinner im prime market. Bei Marinomed fiel das Plus mit 19 Prozent allerdings deutlich schwächer aus.

Erholung in Asien kann sich sehen lassen

In Asien traf es die Märkte im Frühling hart, die darauffolgende Erholung kann sich jedoch sehen lassen. In Japan stieg der Nikkei-225 auf Jahressicht um 16 Prozent, der Shanghai Composite in China steht aktuell bei einem Jahresplus von 11 Prozent. Der New Yorker Leitindex Dow Jones steht bei einer Jahresbilanz von rund plus sechs Prozent.

Der Technologieindex Nasdaq-100 liegt derzeit auf Jahressicht sogar mit mehr als 46 Prozent im Plus. Die Coronakrise hat der Digitalisierung und damit dem Technologiesektor heuer weltweit einen massiven Aufschwung beschert.

Im kommenden Jahr dürfte der aktuelle Optimismus laut Marktbeobachtern weiter anhalten. Die Investoren würden derzeit schlicht auf sehr viel Liquidität sitzen und diese könne 2021 noch in den Markt fließen. Zudem werde auf anziehende Unternehmensgewinne und eine Erholung der globalen Konjunktur gesetzt. Darüber hinaus mache den Anlegern der US-Regierungswechsel Hoffnung auf mehr Normalität und weniger internationalen Spannungen im kommenden Jahr. Was einzelne Branchen betrifft, sehen Analysten vor allem die Technologiebranche weiter im Aufwind, daneben dürften Online-Handel und 5G-Mobilfunktechnik weiter profitieren. (apa)