Das soeben angebrochene Jahr 2021 hat viele Neuerungen gebracht. Eine davon betrifft auch Einwegplastik. Dieses ist nämlich laut einem Beschluss des EU-Parlaments vom März 2019  und einer Einigung des Rats der Europäischen Union vom 19. Dezember 2018 ab 3. Juli in der Europäischen Union überall dort verboten, wo es bereits nachhaltigere Alternativen zum Kunststoff gibt. Dazu zählen Wattestäbchen, Teller, Besteck, Trinkhalme, Luftballonstäbe, Lebensmittelverpackungen, Getränkebehälter und Getränkebecher aus geschäumten Polystyrol (EPS). Produkte aus sogenannten oxo-abbaubaren Kunststoff werden generell verboten. Außerdem soll der Verbrauch von Produkten, für die es eine solche Alternative noch nicht gibt, spürbar reduziert werden. Dazu gehören Plastikbecher und Lebensmittelverpackungen.

Getränkebehälter, dürfen nur dann in Verkehr gebracht werden, wenn die Verschlüsse und Deckel am Behälter befestigt sind. Diese Regelung gilt fünf Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinie, also bis Ende 2025. Bestimmte Produkte mit einem gewissen Kunststoffgehalt zum einmaligen Gebrauch sollen gekennzeichnet werden, und es muss insbesondere auf negative Umweltauswirkungen hingewiesen werden. Davon betroffen sind Hygieneeinlagen, Trinkbecher, Feuchttücher und Tabakprodukte mit Filter.

Auch Einwegbesteck darf dann nicht mehr verkauft werden. - © APAweb / dpa-Zentralbild / Patrick Pleul
Auch Einwegbesteck darf dann nicht mehr verkauft werden. - © APAweb / dpa-Zentralbild / Patrick Pleul

Sammelquote für Einwegplastikflaschen: 90 Prozent ab 2029

Außerdem ist geplant, die Hersteller solcher Kunststoffprodukte künftig für die Sammlung des Plastikmülls zur Kasse zu bitten. Das betrifft insbesondere Tabakwaren und Fanggeräte in der Fischerei, um sicherzustellen, dass die Hersteller und nicht die Fischer die Kosten für die Sammlung von im Meer verlorenen Netzen tragen. Die Gesetzgebung sieht auch eine verpflichtende Kennzeichnung über die negativen Umweltauswirkungen weggeworfener Zigarettenstummel mit Kunststofffiltern sowie anderer Produkte wie Kunststoffbecher, feuchte Reinigungstücher und Hygieneeinlagen vor.

Mexiko-Stadt verbietet seit 1. Jänner sogar Luftballons. - © APAweb / dpa / Lino Mirgeler
Mexiko-Stadt verbietet seit 1. Jänner sogar Luftballons. - © APAweb / dpa / Lino Mirgeler

Ein weiterer Punkt der Einigung sind die Sammelquoten: Für Einwegflaschen aus Kunststoff ist bis 2025 eine Sammelquote von 77 Prozent und bis 2029 von 90 Prozent vorgesehen. In Österreich beträgt die Sammelquote laut Umweltministerium derzeit knapp 73 Prozent. Außerdem wurden für den Gehalt an Recyclingkunststoff in Flaschen verbindliche Ziele von 25 Prozent bis 2025 und 30 Prozent bis 2030 festgelegt.

Einschränkung der Plastikmüllexporte

Mit dem Jahreswechsel wurden auch die erlaubten Exporte von Plastikmüll aus der Europäischen Union stark eingeschränkt. In Entwicklungsländer dürfen ab jetzt nur noch saubere Kunststoffabfälle zum Recycling ausgeführt werden. Für Exporte und Importe in und aus Industriestaaten gelten schärfere Auflagen. Ziel ist es, die Umweltverschmutzung durch Plastik in den Griff zu bekommen und das Material systematisch wiederzuverwerten.

Im Jahr 2019 wurden laut der EU-Kommission rund 1,5 Millionen Tonnen Plastikabfälle aus der EU exportiert, zumeist in die Türkei und in asiatische Länder wie Malaysia, Indonesien, Vietnam, Indien und China. China hatte allerdings bereits 2018 selbst Beschränkungen beschlossen und die Einfuhr stark gedrosselt.

Mehr Einwegplastik in der Corona-Pandemie

Einen Rückschlag für den Kampf gegen das Einwegplastik hat freilich die Corona-Pandemie mit sich gebracht. Einem Bericht der Europäischen Umweltagentur EEA zufolge führte diese nämlich "zu einem plötzlichen Anstieg der weltweiten Nachfrage nach persönlicher Schutzausrüstung (PSA) wie Masken, Handschuhen, Roben und Desinfektionsmitteln in Flaschen". Zudem haben viele Restaurants in Europa ihr Angebot auf Take-Away-und Lieferservices mit Einwegplastikbehältern umgestellt. Auch viele Produkte, die über den zunehmenden Online-Versandhandel verschickt werden, sind in Plastik verpackt. "Die Herstellung, der Verbrauch und die Entsorgung zusätzlicher Einwegkunststoffe werden größere Auswirkungen auf Umwelt und Klima haben", warnt die EEA.

Mexiko-Stadt verbietet auch Luftballons

Nicht nur die EU hat der Umweltverschmutzung durch Kunststoff den Kampf angesagt. Auch in Mexiko-Stadt ist am Neujahrstag ein Kaufverbot für Einwegplastik in Kraft getreten. Und in der mit 22 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Stadt Nordamerikas ist man sogar noch einen Schritt weitergegangen. Denn neben den auch in der EU verbotenen Tellern, Bechern, Besteck, Trinkhalmen und Behältern für Essen zum Mitnehmen aus Kunststoff, die nur zum einmaligen Gebraucht bestimmt sind, verbietet das Umweltministerium der mexikanischen Hauptstadt auch Applikatoren für Tampons und nicht bloß Luftballonstangen, sondern auch Luftballons selbst. Einwegplastiksackerln sind in Mexiko-Stadt bereits seit einem Jahr verboten. (apa/dpa)