Die Coronakrise hat die Arbeitslosigkeit in Deutschland erstmals seit 2013 steigen lassen. Im Jahresdurchschnitt 2020 kletterte die Zahl um 429.000 auf knapp 2,7 Millionen, wie die deutsche Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mitteilte. "Der Einbruch am Arbeitsmarkt vom Frühjahr wirkt noch nach", sagte BA-Chef Detlef Scheele.

   Die Folgen der Coronapandemie und der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung seien weiter sehr deutlich sichtbar. "Die stabilisierende Wirkung der Kurzarbeit hat jedoch Beschäftigung gesichert und eine höhere Arbeitslosigkeit verhindert."

   Im Dezember ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Vergleich zum Vormonat um 8.000 auf 2,707 Millionen gestiegen. Gegenüber Dezember 2019 stieg die Zahl um 480.000, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Die Arbeitslosenquote liegt weiter bei 5,9 Prozent.

   "Die Zahl der arbeitslosen Menschen ist im Dezember gestiegen, aber nicht so stark wie sonst in diesem Monat", sagte Scheele. "Die Nachfrage der Betriebe stabilisiert sich auf niedrigem Niveau", betonte er.

   Die Maßnahmen im Kampf gegen die Coronapandemie treiben die Kurzarbeit in Deutschland wieder in die Höhe. Von 1. bis 28. Dezember erreichten die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg Anzeigen zur Kurzarbeit für 666.000 Personen. Im November waren es 627.600 Anzeigen. "Die Anzeigen für Kurzarbeit haben wieder zugenommen - jedoch nur in begrenztem Umfang", erklärte Scheele.

   Im März auf dem Höhepunkt des ersten Coronashutdowns waren es noch über zehn Millionen. In der Regel wird Kurzarbeit nicht für alle Anmeldungen auch verwirklicht. Tatsächlich in Kurzarbeit waren im Oktober 1,99 Millionen Menschen - nach fast sechs Millionen im April. Neuere Daten zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit liegen noch nicht vor.

   Die Coronakrise schlägt sich auch auf dem Ausbildungsmarkt nieder. Von Oktober bis Dezember seien 73.000 junge Leute noch auf der Suche nach einer Lehrstelle gewesen. Das sind 12.000 mehr als noch vor einem Jahr. Dem standen 72.000 gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber.

   "Glauben wir, hoffen wir, drücken wir die Daumen", sagte Scheele, der von einem Wettlauf zwischen Infektionsgeschehen und Impfungen sprach. Für heuer gehe die BA von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um etwa 100.000 und von 700.000 Kurzarbeitern im Jahresdurchschnitt aus.

   Auch der deutsche Arbeitsminister Hubertus Heil zeigte sich zuversichtlich. "Ich sehe die realistische Chance, dass sich die Wirtschaft ab dem Sommer 2021 wieder erholt und deutlich an Fahrt gewinnt", erklärte der SPD-Politiker. (apa/reuters/dpa)