Die von heftigen Kursschwankungen begleitete Rally der Digitalwährung Bitcoin hat sich auch am Donnerstag fortgesetzt. Am frühen Nachmittag stieg der Kurs bis auf 38.107,60 Dollar, umgerechnet 31.051 Euro. Im weiteren Handelsverlauf ging es mit der nach Marktanteilen mit Abstand größten Kryptowährung zwar etwas bergab, gegen 13.45 Uhr lag sie mit 37.991,79 Dollar aber noch immer deutlich - um gut drei Prozent - über dem Niveau vom Mittwoch, als sie abermals Rekordstände erklommen hatte.

Allein in dem noch jungen Jahr 2021 legte der Bitcoin mehr als 8.000 Dollar oder rund 30 Prozent zu und setzte damit den Höhenflug aus 2020 fort. Der Bitcoin steigt schon seit einiger Zeit auf immer neue Rekorde. Auf Jahressicht hat sich sein Kurs in etwa verfünffacht. Im Vorjahr gehörte die vor gut einer Dekade erfundene Cyberwährung zu den Anlagen mit den weltweit größten Kurszuwächsen.

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Die Meinungen zu Bitcoin gehen nach wie vor stark auseinander. Anhänger sehen in Digitalwährungen wie Bitcoin nicht nur zukunftsweisende Technologien, sondern nutzen die Internetwährungen auch als Spekulationsobjekt und vermehrt als Absicherung gegen Kursschwankungen bei anderen Finanzanlagen. Kritiker sehen hingegen eine riesige Finanzblase und monieren unter anderem die teils extremen Kursschwankungen von Bitcoin und anderen Kryptowährungen.

Das Image des Bitcoin hat sich im vergangenen Jahr freilich verbessert. Einer Art Ritterschlag kam es gleich, dass der große Bezahldienst Paypal seinen US-Kunden den Handel mit Kryptowährungen ermöglicht hat. Heuer sollen auch Transaktionen in Bitcoin und anderen Digitalwährungen, von denen es mittlerweile Tausende gibt, möglich werden.

Großer Nachfrageschub durch professionelle Anleger

Nicht nur Paypal, auch große Finanzanleger zeigen ein stärkeres Interesse an digitalen Währungen, das treibt die Kurse hinauf. So hat etwa der große Vermögensverwalter Fidelity im Vorjahr einen Fonds aufgelegt, der in Bitcoin investiert. Auch wird der Bitcoin verstärkt als alternative Anlage genutzt, weil einige Investoren angesichts der in der Corona-Krise stark steigenden Staatsschulden eine künftig höhere Inflation erwarten (herkömmliche Währungen leiden in der Regel unter einer hohen Inflation und verlieren über ihren Wechselkurs an Wert). Vor diesem Hintergrund hat Tesla-Chef Elon Musk erst vor kurzem damit öffentlich geliebäugelt, das Firmenvermögen des Elektroautobauers von Dollar in Bitcoin umzuwandeln.

Nun stellt sich die Frage, ob der Bitcoin nachhaltig von diesen Entwicklungen profitieren kann. Denn wesentliche Kritikpunkte bleiben: Als Zahlungsmittel ist der Bitcoin weitgehend ungeeignet. Zu stark sind seine Kursschwankungen, zu hoch ist der Energieverbrauch in der Herstellung ("Mining"), zu langatmig und teuer ist die Transaktionsabwicklung. Die Kernidee des Bitcoin-Erfinders, der bis heute nur unter einem Pseudonym bekannt ist, war aber gerade die Erschaffung eines neuen Zahlungsmittels.

Von "Spekulationswahnsinn" ist mancherorts die Rede

Nicht nur als Zahlungsmittel, auch als Finanzanlage bleibt der Bitcoin jedenfalls umstritten. Der größte Kritikpunkt sind seine bereits erwähnten, teils heftigen Kursschwankungen. Häufig hat die Digitalwährung auf starke Wertzuwächse mit krassen Kurseinbrüchen reagiert. So auch zuletzt, als der Kurs mehrfach wegbrach. In den Augen vieler Kritiker stellt diese Wankelmütigkeit das Potenzial des Bitcoin als Anlagegegenstand in Frage.

Die Zukunft des Bitcoin steht damit auf wackligem Fundament. Man muss zwar nicht so weit gehen wie die Experten der Dekabank, die von einem "Spekulationswahnsinn" sprechen. Aber als Finanzanlage und erst recht als Zahlungsmittel ist die Kryptowährung höchst strittig. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass viele Zentralbanken den Ansatz des Bitcoin aufgreifen und eigene Digitalwährungen anstreben.

Vielmehr dürfte das Gegenteil der Fall sein: Sollte sich die Idee digitalen Notenbankgeldes durchsetzen, würde für Bitcoin und Co eine starke Konkurrenz entstehen. Das wäre dann ein Grund mehr, mit der Anlage in Bitcoin und anderen Digitalgeldern vorsichtig zu sein.

Vorerst jedoch sind nicht wenige Analysten für die älteste und wichtigste Cyber-Devise weiter zuversichtlich. Brian Estes etwa, Chefanleger des Hedgefonds Off the Chain Capital, sieht den Bitcoin Ende 2021 bei 288.000 Dollar. Citigroup-Analyst Tom Fitzpatrick geht aufgrund des begrenzten Angebots sogar von einem Kursanstieg auf bis zu 318.000 Dollar aus. (kle/dpa/dpa-AFX)