Vor der aktuellen Corona-Pandemie hatte die breite Öffentlichkeit, ob hierzulande oder im Rest der Welt, noch nie von diesem deutschen Unternehmen gehört: Biontech. Der Name steht für Biopharmaceutical New Technologies, die in Mainz ansässige Firma ist hauptsächlich auf Immuntherapien, insbesondere bei Krebs, spezialisiert.

Gegründet wurde Biontech im Jahr 2008 von drei Wissenschaftern, dem türkischstämmigen Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci sowie dem österreichischen Immunologen und Onkologen Christoph Huber.

Expertise mit mRNA

Wie aber gelang es der hochspezialisierten Truppe, die Corona-Impfung auf den Weltmarkt zu bringen? Biontech hatte sich bei seinen Forschungen auf einen besonderen Ansatz konzentriert: Impfstoffe auf mRNA-Basis. Und mRNA, das weiß mittlerweile schon fast jeder von uns zwangsläufig, ist die revolutionäre neue Zutat des Corona-Impfstoff-Cocktails. Diese Technologie ermöglicht es, quasi einen Bauplan eines Virusproteins in den Körper einzuschleusen, damit die Zellen eine Immunantwort gegen den Erreger aufbauen können.

Bis Biontech seine diesbezügliche Expertise in der Pandemie voll ausspielen konnte, musste das Unternehmen jedoch noch einige, mühsame Entwicklungsschritte vollziehen, um sich so vom Forschungs-Start-up zum globalen Player zu mausern.

Pharmazie ist ein teures Geschäft und benötigt immense Geldmengen, bis die aufwendige Forschung endlich Gewinne bringt. Die drei Gründer hatten jedoch das Glück, gleich in der Anfangsphase mit potenten Geldgebern in Kontakt zu geraten: den Zwillingen Andreas und Thomas Strüngmann, Gründer des Pharmaunternehmens Hexal. Seit Kindesbeinen an mit der Pharmabranche vertraut, immerhin hat der Vater das Generika-Unternehmen Durachemie gegründet, wussten sie, was nötig ist, um mit Biotechnologie zu reüssieren.

Ihr eigenes Unternehmen hatten die beiden 2005 für 5,6 Milliarden Euro an den Schweizer Pharmakonzern Novartis verkauft und damit eine Beteiligungsgesellschaft gegründet, mit der sie fortan in Pharmafirmen investieren. "In den vergangenen Jahren haben sie über ihre Beteiligungsgesellschaft Athos rund 1,3 Milliarden Euro in Biotechnologiefirmen gesteckt, allein 250 Millionen Euro flossen an Biontech", weiß die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Die Strüngmann-Brüder wurden zu Biontech-Miteigentümern und erwarben 50 Prozent an der Firma. Sie lieferten das entscheidende Kapital und brachten die nötige Geduld mit, bis ihre Investition milliardenschwere Früchte tragen konnte. Und sie waren nicht die Einzigen, die auf die eine oder andere Art in Biontech investierten.

Lange Durststrecke

Kennzeichnend für die zwölf Jahre von der Gründung Biontechs bis zur Markteinführung seines Corona-Impfstoffes waren nämlich unzählige Finanzierungsrunden, Kooperationen, Zukäufe und Partnerschaften - sowie Bilanzen, die zwar von hohen Umsätzen, aber immer auch von noch höheren Verluste geprägt waren. Das ist aber durchaus typisch für die Biotech-Branche. "Im Geschäftsjahr 2019 setzte Biontech rund 109 Millionen Euro um. Die Verluste summierten sich auf fast 180 Millionen Euro", berichtete die SZ dazu. Das hochriskante Biotech-Spiel sollte sich letztlich aber für alle Beteiligten auszahlen, und zwar durch einen Faktor, der in sämtlichen Analysen und Prognosen sicher nicht vorkam: eine Pandemie, für die ausgerechnet Biontech das richtige Werkzeug im Talon hatte.

Strategie und Glück

Voraussetzung dafür war aber nicht nur die Expertise, sondern es mussten auch kluge strategische Schritte zur richtigen Zeit gesetzt werden. Biontech wuchs durch Zukäufe. "Alleine im Jahr 2019 haben wir drei Unternehmen bzw. ihre Assets erworben", heißt es im Geschäftsbericht. Zudem setze man auf Kollaborationen mit global etablierten Pharmaunternehmen, um die entwickelten Therapien schneller zum Patienten zu bringen, führt der Bericht weiter aus. Ausschlaggebend in dieser Hinsicht sollte sich die Lizenzierungsvereinbarung mit dem US-Pharmariesen Pfizer 2018 herausstellen - eigentlich im Hinblick auf die Entwicklung eines Grippeimpfstoffes geschlossen. Diese ermöglichte es Biontech, seinen Covid-19-Impfstoff in kürzester Zeit weltweit verfügbar zu machen. Mithilfe des chinesischen Pharmakonzerns Fosun war auch der chinesische Markt erreichbar.

Nasdaq und die Milliarden

Ein weiterer entscheidender Schritt war Biontechs Vorstoß Richtung USA, wo man 2019 die Tochter Biontech US gründete und im Oktober an die US-Börse Nasdaq ging. Unter dem Tickersymbol BNTX ist Biontech dort seither vertreten, eines von acht deutschen Unternehmen, und so konnte man sich viel frisches Geld für weitere Forschung holen.

Und endlich konnte die Ernte dann eingefahren werden: Mit einem Emissionspreis von 15 Dollar je Aktie hatte Biontech an der Nasdaq debütiert und so eine Marktkapitalisierung von gut drei Milliarden Dollar erreicht. Im März 2020, als bekanntgegeben wurde, dass man an einem Corona-Impfstoff arbeitet, erhöhte sich dies auf 21 Milliarden Dollar. Und am 15. Januar 2021, nach einigen Turbulenzen rund um die Markteinführung konkurrierender Impfstoffen lag der Wert der Biontech-Aktie bei 105,85 Dollar. Er versiebenfachte sich damit, in wenig mehr als einem Jahr.

Anfang Dezember 2020 schaffte es Mitbegründer Ugur Sahin, der etwa 18 Prozent am Unternehmen hält, laut Bloomberg jedenfalls als Milliardär mit über fünf Milliarden Dollar Vermögen in die Reihen der 500 reichsten Menschen der Welt. Ebendort, allerdings weit vor ihm, finden sich die Strüngmann-Brüder, die nach wie vor immerhin 50 Prozent an Biontech halten.