Es ist immer billiger, einen Damm zu bauen anstatt für die Schäden der Flut zu zahlen", sagt Peter Giger, Risiko-Experte der Zurich Insurance Group bei der Präsentation des "Global Risk Report 2021" des World Economic Forum, auf eine Frage der "Wiener Zeitung". "Wir müssen viel mehr auf Risiken achten und auch mehr Resilienz in unser Gesellschafts- und Wirtschafts-System einbauen", sagt Giger.


Ihr Browser kann derzeit leider keine SVG-Grafiken darstellen!

Das World Economic Forum stellt den "Global Risk Report" jährlich seit dem Jahr 2006 vor, und "bereits im ersten Bericht damals haben wir vor den Gefahren einer Pandemie gewarnt", sagt Børge Brende, Präsident des World Economic Forum via Videokonferenzplattform Zoom.

Neue Balance zwischen Effizienz und Resilienz

Carolina Klingt, Risikoexpertin für Europa beim Versicherungsbroker Marsh, sagt, dass Unternehmen ihre Sorge, dass Ausgaben für mehr Widerstandsfähigkeit "ineffizient" oder "zu teuer" seien, ablegen sollten. Peter Giger von der Zurich Insurance Group verweist auf die immens teuren Folgen der Pandemie - für ihn der Beweis dafür, dass Resilienz zugleich Effizienz bringt.

Die Weltwirtschaft sei aufgrund der Coronavirus-Pandemie in einer der tiefsten Krisen in Friedenszeiten. 150 Millionen Menschen droht der Absturz in extreme Armut - das sei das erste Mal in zwei Jahrzehnten, dass die Zahl der Menschen in extremer Armut steige. Die Regierungen würden zwar versuchen, mit dem Einsatz von insgesamt 12 Billionen Dollar den wirtschaftlichen Absturz zu verhindern, sagt WEF-Präsident Brende, "aber solange das Geld nicht auch für mehr Resilienz, für den Aufbau einer grünen Wirtschaft und einer breiteren Digitalisierung verwendet wird, hat das keinen längerfristigen Effekt."

Die Expertinnen und Experten, die am Global Risk Report mitgearbeitet haben, zeigen sich aber auch besorgt über die eskalierenden gesellschaftlichen Verwerfungen, die die Pandemie noch weiter akzentuiert hat. Eines der größten Probleme sei die sich vertiefende soziale Ungleichheit, die sich auch in einem tiefer werdenden digitalen Graben äußere.

Ein weiteres Schlagwort: Die "Pandemials". Eine Wortkombination aus "Pandemie" und "Milennials", also einer Generation, die droht durch die Polykrise - Wirtschaftskrise 2008, Pandemie 2020 und die drohende Klimakatastrophe - völlig desillusioniert zu werden. Gleichzeitig haben die Regierungen westlicher Gesellschaften vor einer Infodemie - wieder eine schicke Wortkombination, die die Desinformations-Epidemie in der Corona-Pandemie beschreiben soll - Angst.

Hauptrisiko bleibt die drohende Klima-Katastrophe

Die Risiko-Expertinnen und -Experten des WEF sind sich in einem Punkt einig: Die drohende Klimakatastrophe stellt weiterhin die größte Gefahr auf diesem Planeten dar.

"Dagegen gibt es keine Impfung. Es gibt nur unser heutiges Handeln, den Umbau zu nachhaltigeren Volkswirtschaften", sagt die Direktorin des World Economic Forum, Saadia Zahidi. "Ein neues ökonomisches Modell muss inklusiver sein, grüner und braucht bessere soziale Sicherungssysteme", sagt Zahidi.

Das Jahr 2020 habe der Welt ein neues Risikobewusstsein beigebracht. "Bedrohungen, die als unwahrscheinlich und in weiter Ferne liegend wahrgenommen wurden, können schnell zu einem sehr unmittelbaren Problem werden", sagt Marsh-Risikoexpertin Klint, "die nächste globale Herausforderung wird keine Pandemie sein - sondern etwas anderes."