Die US-Notenbank Fed bleibt trotz der Aussicht auf massive Corona-Hilfen der neuen Regierung geldpolitisch auf dem Gas. Sie beließ den Leitzins am Mittwoch in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent. Zugleich wollen die Währungshüter um Notenbankchef Jerome Powell das Tempo ihrer monatlichen Wertpapierkäufe von 120 Milliarden Dollar (99 Milliarden Euro) zur Stabilisierung der Wirtschaft beibehalten.

Ein Herunterfahren kommt demnach erst in Frage, wenn "substanzielle weitere Fortschritte" auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und Preisstabilität erzielt sind. Die Corona-Krise laste aber weiter auf der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt und berge beträchtliche Risiken für den Konjunkturausblick, so die Fed. In den vergangenen Monaten habe sich das Tempo der wirtschaftlichen Erholung bereits verlangsamt.

Powell hatte jüngst deutlich gemacht, dass es noch ein langer Weg zur Vollbeschäftigung sein dürfte und zugleich der Debatte über ein frühzeitiges Abschmelzen des Kaufvolumens ein Ende bereitet. Diese Diskussion hatte zu höheren Renditen zehnjähriger US-Anleihen beigetragen. Die Papiere rentierten nach dem Zinsentscheid kaum verändert bei 1,011 Prozent.

Auch wenn die Diskussion um ein Herunterfahren der Käufe nicht so schnell versiegen werde, so bleibe der "Fed-Liquiditätshahn" doch noch lange weit geöffnet, meint Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe.

Die Debatte über ein im Fachjargon als "Tapering" bekanntes Zurückfahren der Wertpapierkäufe hatte der Chef des Fed-Bezirks Atlanta, Raphael Bostic, angestoßen. Dieser hofft, dass das Kaufprogramm bei einer erfolgreichen Impfkampagne "in recht kurzer Zeit" neu justiert werden kann.

Der neue US-Präsident Joe Biden hat das Ziel ausgegeben, 100 Millionen Impfungen in 100 Tagen zu verabreichen. Zugleich will Biden im Zusammenspiel mit der Finanzministerin und einstigen Fed-Chefin Janet Yellen ein 1,9 Billionen Dollar schweres Konjunkturprogramm durch den Kongress bringen, um eine Rezession abzuwenden.

"Die Ernennung von Janet Yellen zur US-Finanzministerin wird wahrscheinlich die zukünftigen Diskussionen zwischen der Fed und der Regierung erleichtern", so die Einschätzung von Ökonom François Rimeu vom Vermögensverwalter La Française AM. Dies sieht auch Ökonom Friedrich Heinemann vom ZEW so. Im Grunde wirke der Abgang von Donald Trump aus dem Weißen Haus für die US-Wirtschaft wie eine Zinssenkung: "Die Fed muss nicht länger die Kastanien aus dem Feuer holen und könnte bald sogar anfangen, den Ausstieg aus ihrer extrem expansiven Politik vorzubereiten."