Die deutschen Autobauer haben den Corona-Schock dank der raschen Erholung des Autoabsatzes gut weggesteckt und können mit verbesserter Finanzkraft die anstehenden Investitionen in den Umbruch stemmen. Vor allem Daimler überraschte: Der Konzern aus Stuttgart steigerte im vergangenen Jahr das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen um mehr als die Hälfte auf 6,6 Milliarden Euro und übertraf damit seine eigene Prognose deutlich.

Experten hatten mit 1,4 Milliarden Euro weniger gerechnet. Volkswagen glänzte 2020 nach Berechnungen von Analysten mit einem bereinigten Free-Cashflow von 9,6 Milliarden Euro, davon fuhr der Konzern aus Wolfsburg allein im Schlussquartal 5,3 Milliarden ein. Auch dem Münchner Rivalen BMW verhalf ein kräftiger Schlussspurt zu deutlich höheren Einnahmen.

Zusammen haben alle drei deutschen Konzerne in den vergangenen drei Monaten des vergangenen Jahres einen Barmittelzufluss von 13,3 Milliarden Euro verbucht. Daimler allein erzielte laut Bernstein-Analyst Arndt Ellinghorst in diesem Zeitraum 5 Milliarden Euro. Er leitet aus dieser Kernzahl ab, dass die Autobauer sehr wohl in der Lage sind, durch Einsparungen und interne Verbesserungen der Abläufe, Mittel freizuschaufeln, um die Investitionen in die Zukunft zu stemmen.

"Der Markt unterschätzt bei weitem die Selbsthilfemöglichkeiten und die Nachhaltigkeit einiger der wichtigsten positiven Ergebnistreiber für traditionelle Autobauer", schrieb Ellinghorst in einem Kommentar. Daimler, wie die beiden Rivalen auch, wiesen zwar auf die Risiken durch die Pandemie und die Engpässe durch den Chipmangel hin. "Aber seien wir ehrlich, das sind alles temporäre Probleme." Wenn überhaupt, werde dies die Anstrengungen zur Verbesserung der Effizienz eher vorantreiben. Auch der Trend zu höheren Preisen werde anhalten.

"Die Industrie hat echt Potenzial"

Schon bei Volkswagen vor einer Woche war Ellinghorst von der Ertragskraft beeindruckt: "Die Industrie hat echt Potenzial, gerade beim Pricing. Wenn sie die Dinge richtig machen, können sie sehr viel Geld verdienen." Herkömmliche Autobauer könnten den Übergang in die Elektromobilität viel besser bewältigen als befürchtet. "Diamanten entstehen unter Druck", hatte Ellinghorst seinen Kommentar zu VW überschrieben.

Laut Daimler trugen alle Geschäftsfelder zum Erfolg im vergangenen Jahr bei. Doch vor allem die Tochter Mercedes-Benz Pkw und Vans entwickelte sich deutlich besser als erwartet. Das Betriebsergebnis übertraf mit 5,2 Milliarden Euro die Analystenprognosen um fast 1,3 Milliarden Euro. Im Jahr davor, als die Sparten Pkw und Vans noch eigenständig waren, hatten sie wegen eines hohen Verlustes bei Vans gerade mal rund 300 Millionen Euro verdient. Der Auto- und Transporterabsatz der Marke mit dem Stern war wegen des Lockdowns im Frühjahr auf Talfahrt, machte dann aber dank der schnellen Erholung in China rasch Boden gut. 2020 blieb der Absatz mit 2,164 Millionen Fahrzeugen nur noch 7,5 Prozent unter Vorjahr. Die Umsatzrendite fiel mit 6,9 Prozent ebenfalls deutlich höher aus als am Markt erwartet.

Kosteneinsparungen - etwa durch den Wegfall von Geschäftsreisen, aufwendige Werbeaktionen und Fahrveranstaltungen für neue Modelle und auch durch Personalabbau - ließen die frei verfügbaren Mittel kräftig steigen. Im Industriegeschäft verdreifachte sich das Finanzpolster gegenüber 2019 auf 8,3 Milliarden Euro. Der Autokonzern stärkte somit mitten in der Pandemie seine Krisenfestigkeit. (reuters)