Die gescheiterten Fusionsgespräche zwischen dem schwedischen Stahlkonzern SSAB und dem niederländischen Werk von Tata Steel Europe heizen Spekulationen um die Zukunft von Thyssenkrupp an. Der indische Tata-Mutterkonzern betonte, dass er weiter an einer strategischen Lösung für seine europäischen Geschäfte arbeiten werde. Mit Thyssenkrupp waren sich die Inder schon einmal einig, ehe die Fusion der europäischen Stahlgeschäfte 2019 am Widerstand der EU-Kommission scheiterte.

Insidern zufolge riss der Kontakt nie ab - zumal die Auflagen der Kommission nicht unüberwindbar schienen. Tata könnte Liberty Steel damit bei Thyssenkrupp noch in die Quere kommen. Liberty will die Stahlsparte des deutschen Konzerns komplett übernehmen.

Der Betriebsrat von Tata Steel Niederlande bedauerte am Freitag das Aus der Gespräche mit den Schweden. Er gehe aber nicht davon aus, dass nun die Verhandlungen mit den Deutschen wieder aufgenommen würden. Das Management von Tata Niederlande äußerte sich ähnlich und verwies auf die 2019 abgeblasene Fusion mit Thyssenkrupp.

Neben dem modernen Werk im niederländischen IJmuiden gehört zu Tata Steel Europe das über Jahre verlustreiche Werk im britischen Port Talbot dazu. Für dieses wollte schon Thyssenkrupp nicht geradestehen. Die Fusionsgespräche mit Tata scheiterten letztlich am Widerstand der EU-Kommission. So war Thyssen nicht bereit, sich von seiner Verpackungsstahltochter Rasselstein zu trennen.

Übernahme aus technischen Gründen zu schwierig

Den Rückzug von SSAB bei Tata begründete Vorstandschef Martin Lindqvist damit, dass eine Übernahme aus technischen Gründen zu schwierig sei und die Kosten dafür zu hoch. SSAB werde weiter auf seinem Weg gehen, die Stahlerzeugung klimaeutral zu machen. Der schwedische Konzern hatte im November die Verhandlungen bestätigt.

Auch SSAB hatte Insidern zufolge mehrfach ein Auge auf Thyssenkrupp Steel Europe geworfen. Thyssenkrupp Steel liegt ein Übernahmeangebot des britischen Konkurrenten Liberty Steel vor. Sollten Tata und SSAB sich ebenfalls für die Stahlsparte mit 27.000 Mitarbeitern interessieren, kann das Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz nur recht sein. Sie will den "Optionen-Raum" für die Verluste schreibende Stahlsparte möglichst weit offenhalten. (reuters)