Der Showdown zwischen einzelnen Anlegern und milliardenschweren Hedgefonds - den sogenannten Leerverkäufern - hat die globalen Aktienmärkte durcheinandergebracht. Die Hedgefonds sahen sich gezwungen, einige ihrer Aktien mit der besten Wertentwicklung, darunter etwa Apple, zu verkaufen, um Verluste in Milliardenhöhe zu decken.

Was war passiert? Die Hedgefonds hatten auf fallende Kurse spekuliert. Diese "Shortseller" verkaufen die entsprechende Aktie zuerst, obwohl sie sie noch gar nicht besitzen. Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn der "perfekte", sinkende Kurs sich ergibt, wird dann das Papier eingekauft, um den Deal bedienen zu können. Solche Leerverkäufer setzen also darauf, sich bis zum Termin der Rückgabe billiger mit Papieren einzudecken und die Differenz dann als Gewinn einzustreichen.

Die Kleininvestoren setzten aber auf steigende Kurse. So kam es zu einem regelrechten Kräftemessen mit den Hedgefonds, die dann durch den organisierten Massenkauf der Aktien und den damit verbundenen steigenden Kursen in große wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten.

Am Donnerstag verhängten nun mehrere Online-Plattformen Kaufpausen. Die von den Kleininvestoren in die Höhe gepushten Aktien von Gamestop, AMC Entertainment und Blackberry - der Gamestop-Kurs stieg in den vergangenen Wochen um insgesamt 2000 Prozent - fielen daraufhin um 40 Prozent.

Als die Handelsbeschränkungen am Freitag wieder gelockert wurden, kehrten auch die Kleininvestoren zurück. Die Aktien von Gamestop stiegen noch vor der offiziellen Eröffnung des Premarket-Handels in New York um bis zu 100 Prozent.

"Leider ist es definitiv keine einmalige Sache", sagte Randy Frederick, Vizepräsident für Handel und Derivate am Schwab Center for Financial Research. Börsen-Experte Dirk Müller ergänzte bei ntv.de: "Was bei Gamestop passiert, offenbart, dass die Börse kein Spielfeld mehr ist, sondern ein Schlachtfeld."

Gamestop steckt
eigentlich tief in der Krise

Gamestop selbst steckt eigentlich tief in der Krise und galt zwischenzeitlich schon als abgeschrieben. Das Filialgeschäft mit Videospielen hat ohnehin keine große Perspektive und leidet in der Pandemie zusätzlich. Dass die Hobby-Trader die Firma als "Meme Stock" auswählten, war - bis der Hype nicht mehr zu stoppen war - von vielen als Witz empfunden worden.

Der Online-Broker Robinhood war jedenfalls einer der heißesten Orte im Einzelhandelsrausch, aber seine plötzlichen Kaufbeschränkungen lösten eine Reihe von Online-Protesten aus, als das Unternehmen Kreditlinien nutzte, um sicherzustellen, dass der Handel fortgesetzt werden konnte.

Ein Bericht in der "New York Times" über Nacht besagte, dass der Broker von seinen bestehenden Investoren eine Infusion von mehr als einer Milliarde US-Dollar aufbrachte, nachdem er durch das hohe Volumen und die Volatilität des Handels in dieser Woche belastet worden war.

Der Frust bei den Anlegern, die sich durch Robinhoods Beschränkungen auf ihrer Gewinnstrecke ausgebremst sahen, war jedenfalls groß. "Die nehmen das Geld von den Armen und geben es den Reichen", empörte sich beispielsweise Charlie Hancox von der Aktivisten-Plattform Inveez. Wie andere User warf er Robinhood-Chef Vlad Tenev vor, ihnen im Machtkampf mit den Hedgefonds in den Rücken gefallen zu sein.

Wie lange das Kräftemessen mit den milliardenschweren Hedgefonds weitergeht, ist schwer zu sagen. Fest steht: Die Gruppe der Einzelhändler - einige von ihnen sind ehemalige Banker, die nun für sich selbst arbeiten - haben sich zu einer mächtigen Kraft in der Finanzwelt entwickelt.

(vasa/reuters/dpa)