Der beim Videospiele-Händler GameStop von Kleinanlegern ausgetrickste Hedgefonds Melvin Capital hat im Jänner einem Insider zufolge mehr als die Hälfte seines Vermögens verloren. Das von Melvin Capital investierte Vermögen, das sich zu Jahresbeginn auf 12,5 Milliarden Dollar (10,3 Milliarden Euro) belaufen habe, habe sich bis Monatsende um 53 Prozent reduziert, sagte eine mit den Zahlen vertraute Person.

Aufgrund der Kapitalspritze von 2,75 Milliarden Dollar, mit der die Hedgefonds Point72 und Citadel ihren Partner vor dem Zusammenbruch gerettet hatten, habe Melvin Capital den Jänner mit einem Vermögen von mehr als 8 Milliarden Dollar abgeschlossen.

Melvin Capital hatte mit Leerverkäufen auf einen fallenden Kurs der Gamestop-Aktie gesetzt und sich damit verspekuliert. Denn weil Kleinanleger sich im Internet zu einem Kaufansturm verabredeten, stieg der Aktienkurs, so dass Melvin Milliardenverluste hinnehmen musste. Für Leerverkäufe leihen sich Investoren Aktien und verkaufen diese in der Erwartung, sie später billiger zurückkaufen zu können, um sie dann an die regulären Inhaber zurückzugeben. Auf der Kursdifferenz basiert ihr Gewinn. Wenn die Wette jedoch schiefgeht und der Kurs steigt, ist ein Leerverkäufer gezwungen, die Aktien um jeden Preis zurückzukaufen.

US-Broker Robinhood schränkt Handel mit Gamestop-Aktien ein

Der wegen seiner Nutzungsbeschränkungen heftig in Kritik geratene US-Broker Robinhood will nach eigenen Angaben nur noch den Handel von 8 statt bisher 50 Aktien regulieren. Nutzer dürfen weiterhin nur eine bestimmte Zahl an Wertpapieren von und Optionen auf Unternehmen wie Gamestop, Blackberry, AMC Entertainment oder Nokia kaufen, wie das Unternehmen am späten Sonntagabend auf seiner Webseite bekannt gab. Teilweise ist nur der Erwerb einer einzelnen Aktie erlaubt.

Robinhood begründete seine Entscheidung mit einer "anhaltenden Marktvolatilität" und behielt sich weitere Änderungen vor. Der vor allem bei jüngeren Anlegern beliebte Online-Broker hatte am Donnerstag überraschenderweise für mehrere Stunden den Handel mit bestimmten Aktien ausgesetzt. Daraufhin stürzten Kurse betroffener Unternehmen dramatisch ab. Betroffen waren dabei auch Firmen wie Starbucks, Trivago oder Moderna, die im Gegensatz zu Robinhoods Darstellung keinen besonderen Kursschwankungen unterlagen.

Auch in Deutschland waren Broker wie die Smartphone-Apps Trade Republic oder Trading212 in Bedrängnis geraten, weil sie ihren Nutzern den Zugang zum freien Markt untersagten. So war zeitweise nur der Verkauf bestimmter Wertpapiere, nicht aber der Kauf neuer Anteile gestattet.

Aktien von Gamestop und AMC zuletzt besonders gefragt

Aktien von Gamestop und AMC waren in den vergangenen Wochen unter anderem bei Usern des Internet-Forums Reddit besonders gefragt. Dabei stellten sie sich gegen sogenannten Shortseller wie Citron Research und Melvin Capital, die massiv auf fallende Kurse der besagten Unternehmen gewettet hatten. Daraufhin schossen die Aktienkurse nach oben und einige Hedgefonds erlitten extrem hohe Verluste.

Durch die Handelsrestriktionen von Brokern wie Robinhood sehen sich die Kleinanleger deswegen auf ihrer Gewinnstrecke ausgebremst. Sie hegen den Verdacht, dass die Handelsplattformen den Hedgefonds den Rücken freihalten. Robinhood und Co. streiten dies ab, doch die Empörung ist nicht nur bei der Anleger-Community groß, sondern auch in der Politik. (reuters/dpa)