Der Preis für Silber ist weiter gestiegen und schoss in Gamestop-Manier auf ein Acht-Jahres-Hoch von 30,03 Dollar (24,97 Euro) je Feinunze (31,1 Gramm). Kleinanleger drängen in den Markt und greifen bevorzugt zu börsennotierten Silber-Fonds. Zuletzt wurden Anlagen in Silber in Diskussionsforen im Internet verstärkt empfohlen.


"Die Reddit-Gemeinde hat einen größeren Wal ins Visier genommen, indem sie einen 'Short Squeeze' am Silber-Markt auslösen will", sagte Analyst Kyle Rodda vom Brokerhaus IG. "Das ist ihr 'Moby-Dick'-Moment." Wenn Investoren Wetten auf fallende Kurse in großem Stil auflösen müssen, sprechen Fachleute von einem "Short Squeeze".

"Das Problem ist jedoch, dass dieser Markt deutlich größer ist und die Teilnehmer hier mit sehr tiefen Taschen unterwegs sind", warnte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. "Dennoch dürfte man die Entwicklung auf dem Börsenparkett weiter mit Spannung verfolgen, denn die Ereignisse der vergangenen Woche haben gezeigt, dass man die Kraft der privaten Investoren nicht unterschätzen sollte."

Griff zu börsennotierten Silberfonds

Bei ihren Käufen griffen Kleinanleger bevorzugt zu börsennotierten Silberfonds (ETF), die für jedes Investment die entsprechende Menge des Edelmetalls kaufen. Sie legten prozentual meist zweistellig zu. Der in Australien notierte Silber-ETF von ETF Securities verbuchte mit umgerechnet 25 Millionen Euro den höchsten Mittelzufluss binnen eines Tages. "Das ist eine Menge für einen Fonds mit einem früheren Gesamtvolumen von etwa 139 Millionen Euro", sagte Evan Metcalf, Manager bei ETF Securities. Der weltgrößte Silber-ETF stieg im vorbörslichen US-Geschäft um fast 12 Prozent auf ein Acht-Jahres-Hoch von 27,71 Dollar und stand vor dem zweitgrößten Tagesgewinn seiner Geschichte.

Bereits am Freitag waren die Edelmetall-Bestände der Silber-ETF weltweit um insgesamt vier Prozent auf ein Rekordhoch von 28.382 Tonnen gestiegen. Das war das größte Plus seit fast zehn Jahren.

Auch Aktien von Minenbetreibern im Höhenflug

Im Windschatten der Silber-Rally setzten auch die Aktien von Minen-Betreibern zum Höhenflug an. So verbuchten die Titel von Fresnillo mit einem Plus von fast 21 Prozent den größten Kurssprung seit gut zwölf Jahren. Die ebenfalls in London notierten Papiere von Polymetal gewannen bis zu 7,3 Prozent. Ähnlich stark legten die Aktien von KGHM in Warschau zu.

Bei Gamestop hatten sich Kleinanleger in einem Forum der Internet-Plattform Reddit zu konzertierten Käufen der Aktie des US-Videospielehändlers verabredet. Damit zwangen sie Hedgefonds zur Auflösung von Wetten auf einen Verfall des Kurses und trieben einige von ihnen an den Rand des Ruins. Die Kurs-Kapriolen bei Gamestop und anderen Werten versetzten vergangene Woche die Börsen weltweit in Unruhe. Anleger befürchteten eine Welle von Hedgefonds-Pleiten und Notverkäufe von Wertpapieren in anderen Anlageklassen. "Eines ist sicher: Das Ganze wird mit viel Tränen enden", warnte Anlagestratege Michael McCarthy vom Brokerhaus CMC. "Ich weiß nur nicht, wann."

Die Gamestop-Rally verlor zum Auftakt der neuen Woche etwas Schwung. Die Papiere gewannen im vorbörslichen US-Geschäft rund fünf Prozent, nachdem sie zuletzt täglich prozentual zwei- bis dreistellig zugelegt hatten. Die Titel der deutschen Biotech-Firma Evotec oder der britischen Kinokette Cineworld, die aus ähnlichen Gründen wie Gamestop zugelegt hatten, bauten ihre Gewinne ebenfalls aus. (reuters/dpa-AFX)