Der britische Mineralölkonzern BP warnt nach dem ersten Verlust seit einem Jahrzehnt auch für 2021 vor weiteren Belastungen durch die Corona-Pandemie. Der Vorstand rechne zwar mit einer Erholung der Öl- und Gaspreise, die wegen der geringeren Nachfrage im Vorjahr eingebrochen waren, teilte BP am Dienstag mit.

Doch die neuen COVID-19-Beschränkungen würden die Nachfrage weiter belasten, durch weniger Reisen und auch weniger Fahrten zur Arbeit mit mehr Mitarbeitern im Homeoffice. Der Verkauf von Öl und Benzin an Privatpersonen sei im Jänner gegenüber dem Vorjahr um rund 20 Prozent eingebrochen, verglichen mit einem Minus von elf Prozent im vierten Quartal.

Abschreibungen wegen der auf lange Sicht gedämpften Energiepreise drückten BP im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen. Der Verlust summierte sich auf 5,7 Milliarden Dollar (etwa 4,7 Milliarden Euro). Im vierten Quartal machte BP zwar einen kleinen Gewinn von 115 Millionen Euro, im Vergleich zu den 2,6 Milliarden Dollar aus dem Vorjahr aber nur einen Bruchteil. "Ein hartes Quartal am Ende eines harten Jahres", fasste Konzernchef Bernard Looney in einer Telefonkonferenz mit Analysten zusammen. Die Aktien verloren mehr als drei Prozent an der Londoner Börse.

Strategie für erneuerbare Energien fehlt

Das BP-Management hatte bereits angekündigt, dass sich der durch die Pandemie eingebrochene Ölverbrauch trotz nachlassender Reisebeschränkungen in den nächsten Jahren nur teilweise erholen kann. Der Trend zum Homeoffice werde zu einem langsameren Wachstum des Energieverbrauchs führen, hieß es.

Die BP-Aktien büßten im vergangenen Jahr mehr als 40 Prozent an Wert ein und befinden sich auf einem 25-Jahres-Tief. Anleger warfen die Papiere nicht nur wegen der schwachen Geschäfte in der Corona-Pandemie aus dem Depot. Sie zweifeln auch daran, dass BP den Schwenk zu den erneuerbaren Energien tatsächlich schafft. Der 112 Jahre alte Öl- und Gaskonzern will sich in Zukunft voll und ganz auf grüne Energie fokussieren. Bis zur Mitte des Jahrhunderts sollen die Kohlenstoffemissionen aus eigener Geschäftstätigkeit auf null gesenkt werden. (apa/Reuters)