Die Lebenshaltungskosten in der Euro-Zone sind zum Jahresstart nach fünf Monaten mit sinkenden Preisen kräftig gestiegen. Die Verbraucherpreise nahmen im Januar binnen Jahresfrist um 0,9 Prozent zu, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in einer ersten Schätzung mitteilte. Volkswirte hatten nur mit 0,5 Prozent Inflation gerechnet. Noch im Dezember und in den drei Monaten zuvor hatte die Teuerung bei minus 0,3 Prozent gelegen. Insbesondere die Energiepreise sanken im neuen Jahr weniger kräftig als in den vorangegangenen Monaten. Zudem verteuerten sich Industriegüter im Januar erstmals seit mehreren Monaten wieder.

Volkswirten zufolge haben unter anderem die Rücknahme der zeitweisen Mehrwertsteuersenkung in Deutschland und ein verzögerter Winterschlussverkauf in Frankreich für den Preisschub gesorgt. "Im weiteren Jahresverlauf dürfte die Inflationsrate unter starken monatlichen Schwankungen weiter steigen, auch wenn sich am unterliegend schwachen Preisauftrieb nichts ändern dürfte", sagte Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil. Auch Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe, rechnet mit einer weiter zunehmenden Inflation. Er geht davon aus, dass im Spätsommer das EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent Teuerung übertroffen wird. "Die 2021 beständig steigende Inflationsrate dürfte die EZB gelassen hinnehmen", glaubt er. "Ein klassisches Inflationsumfeld liegt nicht vor, weshalb die EZB günstige Finanzierungsbedingungen weiter anstreben dürfte."

Virus-Krise dämpft Preisauftrieb

Die EZB verfehlt ihr Inflationsziel von unter aber nahe zwei Prozent seit Jahren. Zuletzt hatten die zweite Pandemie-Welle und erneute Lockdown-Maßnahmen die Konjunktur und die Inflationsentwicklung gebremst. Die Währungshüter hatten in der Krise umfangreiche Hilfsprogramme aufgelegt, um den Kreditfluss aufrecht zu halten und um günstige Finanzierungsbedingungen sicherzustellen. Im Dezember erst stockten sie unter anderem ihr billionenschweres Anleihen-Kaufprogramm PEPP erneut auf. Es ist inzwischen auf 1,85 Billionen Euro angelegt.

Die Energiepreise gingen im Januar binnen Jahresfrist um 4,1 Prozent zurück. Noch im Dezember waren sie um 6,9 Prozent gesunken. Die Preise für Industriegüter ohne Energie zogen um 1,4 Prozent an, nachdem sie noch im Dezember um 0,5 Prozent gefallen waren. Dienstleistungen verteuerten sich ebenfalls um 1,4 Prozent.

Rückgang der Erzeugerpreise im Euroraum schwächte sich weiter ab

In der Eurozone hat sich der Rückgang der Herstellerpreise weiter abgeschwächt. Gegenüber dem Vorjahresmonat fielen die Erzeugerpreise im Dezember um 1,1 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Luxemburg mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Preisrückgang um 1,2 Prozent gerechnet.

Seit dem vergangenen Mai hat sich der Preisrückgang im Jahresvergleich kontinuierlich abgeschwächt. Im November waren die Erzeugerpreise noch um 1,9 Prozent im Jahresvergleich gefallen, nach minus 2,0 Prozent im Oktober.

Starken Einfluss auf die Preise, die Hersteller für ihre Produkte erhalten, üben nach wie vor die Energiepreise aus. Sie fallen seit Monaten deutlich, allerdings zusehends schwächer. Preisanstiege zeigten sich im Dezember hingegen bei Gebrauchs- und Investitionsgütern.(Reuters, apa, dpa, afx)