Die Finanzwelt hält große Stücke auf sie. In den vergangenen zehn Jahren sind sie bei Investoren immer mehr in Mode gekommen, sodass sich ihr Emissionsvolumen vervielfacht hat. Die Rede ist von sogenannten Hochzinsanleihen. Das sind Bonds von Schuldnern mit schlechter Bonität, die aus dem Unternehmensbereich stammen. Als Ausgleich für das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit des Schuldners erhalten Anleger einen höheren Anleihezins als bei weitgehend risikolosen Staatsanleihen.

Hochzinsanleihen, im Fachjargon auch "Junk Bonds" oder "High Yield Bonds" genannt, haben daher ein Rating im "Speculative Grade". Ratingagenturen wie Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch schätzen die vollständige Rückzahlung der Schulden demnach als deutlich unwahrscheinlicher ein als bei Emittenten mit einem Rating im "Investment Grade".

Runter, dann rauf - volatile Entwicklung im Krisenjahr 2020

Aufgrund ihres spekulativen Veranlagungs-Charakters sind Junk Bonds im Regelfall sehr schwankungsfreudig. "Während der beginnenden Corona-Krise im März des Vorjahres haben sie mehr als 20 Prozent an Wert eingebüßt", sagt Felix Düregger, leitender Asset-Manager in der Schoellerbank. "Die Erholung danach war vergleichbar mit jener auf dem Aktienmarkt (der kräftig zugelegt hat, Anm.)." Im Gesamtjahr 2020 hätten globale Hochzinsanleihen unter dem Strich einen Ertrag von 8,03 Prozent abgeworfen, berichtet Düregger unter Hinweis auf einen entsprechenden Marktindex. Zum Vergleich: Europäische Staatsanleihen kamen im Schnitt auf ein Plus von 4,99 Prozent.


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Heuer hätten sich globale Hochzinsanleihen "bisher seitwärts entwickelt", so Düregger weiter. "Aktuell bieten sie nur noch sehr überschaubare, niedrige Renditen (Zinssatz im Verhältnis zum Kaufkurs, Anm.)." Im Vergleich zu einer risikolosen Veranlagung weisen zum Beispiel europäische Hochzinsanleihen laut Düregger nur noch eine Mehr-Rendite von weniger als 3 Prozent aus, bei US-Hochzinsanleihen liegt der Risikoaufschlag bei knapp 4,5 Prozent. "Im Durchschnitt sind die Schuldnerqualitäten bei europäischen Indizes besser als in den USA, deshalb auch hier die etwas niedrigere Rendite", erklärt der Finanzmarktexperte.

In der Vergangenheit haben sich die Zahlungsausfälle bei Hochzinsanleihen in engen Grenzen gehalten - zur Freude der Investoren. Dank tiefer Zinsen und robuster Konjunktur (vor Corona) bewegten sich die Ausfallsraten im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Auch derzeit ist trotz anhaltender Viruskrise "noch kein besonderer Anstieg zu bemerken", sagt Düregger. Marc Leemans, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft DPAM (Degroof Petercam Asset Management), bestätigt das, zumindest was die europäischen Anleihenemittenten im Hochzinssegment betrifft. Demnach seien die Zahlungsausfälle im zweiten Pandemie-Halbjahr 2020 deutlich niedriger gewesen als erwartet. Noch im Sommer hatte Moody’s ein pessimistisches Szenario von 15 Prozent gegenüber einem optimistischen Szenario von 4 Prozent in Aussicht gestellt. Tatsächlich sei die Ausfallsquote Ende 2020 bei lediglich 3,3 Prozent gelegen, so Leemans.

Corona-Hilfen halten Ausfallsrate auf tiefem Niveau

Der Fondsmanager sieht das vor allem begründet in Schuldenmoratorien, vorübergehenden Personalkostensenkungen, zusätzlichen Liquiditätskrediten und schließlich der monetären und fiskalischen Unterstützung der Notenbanken und Regierungen. Ähnlich argumentiert auch Düregger mit Blick auf die schlimmste Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte: "Aktuell laufen in allen entwickelten Ländern staatliche Hilfspakete für Private wie für Unternehmen. Daneben bieten auch die großen Notenbanken gigantische Liquiditätsprogramme und unterstützen durch den Kauf von Anleihen ebenso Unternehmen." Detail am Rande: Unter bestimmten Bedingungen können manche Notenbanken mittlerweile sogar Anleihen außerhalb des Investment-Grade-Segments kaufen.

Laut Düregger gehen viele Marktteilnehmer davon aus, dass die Ausfallsraten bei Unternehmensanleihen - gerade im High-Yield-Bereich - in der Phase nach dem Auslaufen der großen Hilfsprogramme wieder deutlich ansteigen werden. "Das betrifft das aktuelle Jahr, aber wohl noch stärker das Jahr 2022", meint der Asset-Manager. Vor diesem Hintergrund hält er Hochzinsanleihen derzeit jedenfalls nicht für fair bewertet.

Reise- und Freizeitsektor von Krise am härtesten getroffen

Indes erwartet DPAM-Mann Leemans "auch weiterhin keinen signifikanten Anstieg der Zahlungsausfälle". Seine Begründung: Die von der Viruskrise am stärksten betroffenen "Player" seien erfolgreich restrukturiert und hätten nun deutlich nachhaltigere Kapitalstrukturen. "Zudem gehören zwei Drittel der europäischen High-Yield-Emittenten ohnehin zu Branchen, die nicht oder kaum von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind." Vor allem der Reise- und Freizeitsektor sei ja im Zentrum des Sturms gestanden. Leemans glaubt, dass sich die Aufhebung von Corona-Hilfen im Zuge einer allmählichen Rückkehr zur Normalität eher auf kleinere und mittlere Firmen auswirken wird, die nicht am Anleihenmarkt präsent sind.