• vom 22.05.2001, 00:00 Uhr

International

Update: 07.04.2005, 14:25 Uhr

Nach der Umstellung auf den Euro wird es den alten Währungen an den Kragen gehen

Der arme Schilling wird "verstaltet"




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Von Sissi Eigruber

  • Ab 1. Jänner 2002 ist es also soweit - wir müssen uns endgültig auf den Euro umstellen und uns von den vertrauten Schillingmünzen und -banknoten verabschieden. Eines gleich vorweg: Keine Sorge, bei der Nationalbank können Schillinge und auch Sondergedenkmünzen unbefristet gegen Euro eingetauscht werden. Den alten Münzen und Banknoten geht es auf jeden Fall an den Kragen - sie sollen auf unterschiedliche Weise wiederverwertet werden.

Zwei Monate lang werden Euro und Schilling parallel als Bargeld gültig sein, ab 1. März ist der Euro dann das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in Österreich.


Der schnöde Mammon wird zum Buntmetallschrott

In Österreich haben die Verantwortlichen nach gewinnbringenden Lösungen zur Entsorgung, oder besser gesagt Wiederverwertung, der alten Münzen und Banknoten gesucht, und gefunden: Die umgetauschten Schillingmünzen und -banknoten werden von den Banken gesammelt und landen schließlich im Münzlogistikzentrum in Wien, erklärt der Projektverantwortliche für den Euro in der Münze Österreich, Thomas Kubaczek, gegenüber der "Wiener Zeitung".

Da die Münzen aus unterschiedlichen Metalllegierungen bestehen, müssen sie vor der Weiterverarbeitung sortiert werden, bevor sie schließlich in einem großen Walzwerk mit Hilfe von Zahnwalzen mechanisch zerstört und in Zick-Zack-Form gebracht werden. "Verstalten" heißt dieser Prozess im Fachjargon, so Kubaczek. Das Ergebnis der "Verstaltung" ist Buntmetall- bzw. Aluminiumschrott, der am internationalen Schrottmarkt verkauft wird.

Von der Schillingmünze zur seewasserfesten Armatur

Ein Teil des Schrotts wird wieder in der Münzproduktion landen, was ganz sentimentalen Schilling-Freunden vielleicht ein Trost ist: Insbesondere die Fünf- und Zehnschillingmünzen könnten sich in den neuen Euromünzen wiederfinden. Der Aluminiumschrott, der aus den Groschenstücken gewonnen wird, kann u.a. zur Herstellung von Reflektorfolien für Leuchtstoffröhren verwendet werden; Schillingmünzen könnten als seewasserfeste Amaturen wiedergeboren werden. Im Zuge der Währungsumstellung werden über 3 Milliarden Stück Schillingmünzen - etwa die Hälfte davon sind Zehngroschenstücke - zurückerwartet. Das Gesamtgewicht der Münzen entspricht mit etwa 9.000 Tonnen jenem des Eiffelturms.

Auf Millionen wandeln - Dämmstoff oder Dünger

Etwa 560 Tonnen Geldscheine müssen von der Österreichischen Nationalbank (OeNB) vernichtet werden. Bisher wurden alte Schillingnoten, die nicht mehr den Sicherheitskriterien entsprachen, in sogenannten Schredderanlagen zerstückelt und dann verbrannt. Für die große Währungsumstellung wurde eine ökologischer Lösung gefunden, erläutert Alfred Scherz, Direktor der Hauptanstalt der OeNB: Die K cärntner Firma Peter Seppele GesmbH will einen Großteil der geschredderten Geldscheine übernehmen, um sie für die Produktion von Dämmstoffen zu verwenden. In Zukunft könnte bei Gebäuden die Dämmschicht unter dem Fußboden also mit Millionen gespickt sein. "Das Banknotenpapier als solches ist ein Recyclingprodukt", so Scherz, denn sie bestehen u.a. aus Baumwollfasern, die aus alten Lumpen gewonnen werden. Eine zweite Wiederverwertungsmöglichkeit wird derzeit an der Universität für Bodenkultur auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft: Die Steyrer Firma Libra Trading will die Banknoten kompostieren, um sie dann als Biohumus zu verkaufen.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2001-05-22 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-07 14:25:00

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