Eine konjunkturstützende Geldpolitik ist aus Sicht von EZB-Präsidentin Christine Lagarde weiterhin entscheidend für eine Erholung der Wirtschaft von den Folgen der Corona-Pandemie. "Dies stellt sicher, dass die Finanzierungsbedingungen günstig bleiben, um die wirtschaftliche Erholung auf einen selbsttragenden Pfad zu bringen", sagte sie am Montag im EU-Parlament in Brüssel. Der Start der Impfkampagnen sorge zwar für Hoffnung. "Aber die Menschen in Europa sind immer noch mit den verheerenden sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen des Virus konfrontiert, und die Zukunft bleibt unsicher."

Der Preisdruck im Euro-Raum sei immer noch verhalten, sagte Lagarde. Zwar habe die Inflation im Januar kräftig zugenommen und es sei damit zu rechnen, dass sie in den kommenden Monaten weiter anziehe. Doch eine schwache Nachfrage, ein geringer Lohndruck und der Kursanstieg des Euro sorgen aus Sicht von Lagarde wahrscheinlich dafür, dass der zugrundeliegende Preisauftrieb gedämpft bleibe.

Fiskalpolitik bleibt entscheidend

Die Lebenshaltungskosten waren im Euro-Raum im Januar binnen Jahresfrist überraschend deutlich um 0,9 Prozent gestiegen. Zuvor waren die Verbraucherpreise fünf Monate in Folge gesunken. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt mittelfristig knapp zwei Prozent Inflation an, verfehlt diese Zielmarke aber bereits seit Jahren. Zuletzt hatten die zweite Pandemie-Welle und erneute Lockdown-Maßnahmen in den Euro-Ländern die Inflationsentwicklung gebremst.

Die EU-Länder rief Lagarde dazu auf, mit ihrer Fiskalpolitik, der von der Krise gebeutelten Wirtschaft weiterhin unter die Arme zu greifen: "Fiskalpolitik - sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene - bleibt entscheidend, um die Erholung zu stützen." Eine rasche Umsetzung des "Next Generation EU" genannten EU-Hilfspakets sei wichtig. "Falls dieses wie geplant umgesetzt wird, könnte Next Generation EU sogar schon in diesem Jahr das Wachstum anschieben." Die EU-Länder hatten sich im vergangenen Jahr auf einen Wiederaufbaufonds mit einem Volumen von 750 Milliarden Euro geeinigt. Die Staaten können dabei Zuschüsse oder Kredite beantragen. (apa, reuters)