Als erste Frau an der Spitze der Welthandelsorganisation (WTO) hat die Nigerianerin Ngozi Okonjo-Iweala am Montag ihr Amt angetreten. Sie komme in "eine der wichtigsten Institutionen der Welt" und es gebe "viel zu tun", sagte die neue Generaldirektorin am Montagvormittag bei ihrer Ankunft am Sitz der WTO in Genf: "Ich fühle mich bereit."

Okonjo-Iweala übernimmt das Amt in einer Zeit der tiefgreifenden globalen Wirtschafts- und Gesundheitskrise. In einem AFP-Interview hatte sie kürzlich gesagt, sie wolle die weltweit faire Verteilung von Impfstoffen zu einer Priorität des Beginns ihrer Amtszeit machen. Sie sei überzeugt, dass die WTO "mehr dazu beitragen kann, die Covid-19-Pandemie zu besiegen". Dabei gehe es vor allem darum, ärmeren Ländern den Zugang zu Corona-Impfstoffen zu erleichtern.

Erster Arbeitstag: Treffen des Allgemeinen Rats der WTO

Der erste Arbeitstag der 66-Jährigen fällt mit dem jährlichen Treffen des Allgemeinen Rats der WTO zusammen, der zwischen den Tagungen der Ministerkonferenz die laufenden Geschäfte der Organisation erledigt. Sie hoffe, hineinhören zu können und zu erfahren, "was die Delegationen und Botschafter zu den drängendsten Problemen zu sagen haben", sagte sie vor Journalisten. Es wurde unter anderem erwartet, dass der Rat die Abhaltung der nächsten Ministerkonferenz, die wegen der Coronapandemie ausfallen musste, auf Dezember festlegt.

Okonjo-Iweala wollte ansonsten vor allem ihr Kollegium treffen. Eine ihrer ersten Amtshandlungen dürfte zudem die Nominierung von vier neuen Stellvertreterinnen oder Stellvertretern sein. Auf die Ökonomin und frühere Finanzministerin Nigerias warten indes gewaltige Aufgaben, denn die WTO mit ihren 164 Mitgliedern gilt als stark reformbedürftig.

Die WTO gehört neben dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank zu den wichtigsten internationalen Organisationen in der Wirtschaftspolitik. Sie soll vor allem ein Forum für Verhandlungen zum Abbau von Zöllen sowie anderen Handelshemmnissen bieten und überwachen, ob internationale Handelsabkommen eingehalten werden.

Freier Handel ohne Zollstreitigkeiten

Zuletzt war die WTO aber zunehmend unter Druck geraten. So ist die Berufungsinstanz des Streitbeilegungsmechanismus der Organisation wegen einer Blockade der USA nicht funktionsfähig; Washington hatte unter Präsident Donald Trump zudem sogar damit gedroht, die WTO zu verlassen. Da unter Trump das internationale Handelssystem von Protektionismus geprägt war, ist es nun eines der größten Anliegen der neuen WTO-Generaldirektorin, wieder zu einem freien Handel ohne Zollstreitigkeiten zurückzufinden.

Die WTO müsse sich zudem wieder ihrem obersten Ziel zuwenden, nämlich den Lebensstandard in armen Ländern verbessern und "vernünftige Jobs für die Menschen schaffen", sagte Okonjo-Iweala kürzlich in dem AFP-Interview. Davon sei die WTO bereits vor dem Ausbruch der Coronapandemie weit entfernt gewesen. (apa, afp)