Ein erneuter Anstieg der amerikanischen Anleiherenditen hat die US-Aktienmärkte am Donnerstag in die Knie gezwungen. US-Notenbankchef Jerome Powell sieht den jüngsten Zinsanstieg nicht als Grund, um von seinem momentanen ultralockeren geldpolitischen Kurs abzuweichen. Einige Investoren hatten angesichts der an den Börsen grassierenden Inflationssorgen mit Signalen bezüglich der Anleihekäufe der Fed gerechnet. An den Anleihemärkten zogen die Renditen in Reaktion auf Powells Rede deutlich an, der Dollar legte zu. An den Aktienmärkten verstärkte sich unterdessen die Talfahrt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor ein Prozent auf 30.972 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 stand 1,2 Prozent im Minus bei 3774 Punkten, während der Index der Technologiebörse Nasdaq 2,1 Prozent auf 12.729 Punkte abrutschte. Powell sagte bei einer Online-Veranstaltung des "Wall Street Journal", mit einem Aufschwung am Arbeitsmarkt sei zwar auch mit einem Anziehen der Preise zu rechnen. Aber es werde sehr wahrscheinlich im Zuge einer einsetzenden Konsumwelle nach Abebben der Pandemie bei einem Einmal-Effekt bleiben. Er rechne nicht damit, dass ein Preisauftrieb sich verfestige. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen schraubte sich um weitere fünf Basispunkte nach oben auf 1,535 Prozent. Spekulationen auf eine anziehende Inflation und einen vorzeitigen Ausstieg der Notenbanken aus ihrer ultra-lockeren Geldpolitik hatten den jüngsten Ausverkauf am Anleihemarkt ausgelöst. Die kurzfristigen Refinanzierungkosten der Banken am sogenannten Repo-Markt rutschten indes am Donnerstag untypischerweise ins Minus. Analysten zufolge deutete das angesichts des Ausverkaufs an den Bondmärkten auf eine angespannte Situation an den Geldmärkten hin.

Opec+ bleibt überraschend auf Förderbremse

Ein Sprung bei den Ölpreisen machte die Aktien der US-Mineralölriesen begehrt. Die Papiere von Chevron und Exxon kletterten um 2,7 und 4,6 Prozent. Im Sog dessen zogen Papiere von EOG Resources, Marathon Oil, APA Corp und Diamondback Energy um bis zu 7,8 Prozent an. Am Ölmarkt schossen die Preise beflügelt von einer anstehenden Verlängerung der Förderdrosselungen der großen Exporteure nach oben. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee und US-Öl WTI verteuerten sich jeweils um mehr als fünf Prozent auf 67,47 beziehungsweise 64,51 Dollar je Barrel (159 Liter). Bei den Beratungen der Organisation Erdöl exportierender Länder und ihrer Kooperationspartner (Opec+) hat Saudi-Arabien einem Insider zufolge angeboten, seine Kürzungen von einer Million Barrel pro Tag bis in den April hinein zu verlängern. Zudem wollten die großen Erdöl-Exporteure ihre momentane Fördermenge insgesamt im April auf dem momentanen Niveau halten statt sie wie angedacht um 500.000 Barrel pro Tag anzuheben.

Der Nickelpreis ging auf Talfahrt, weil am Markt Ängste vor einem Angebotsengpass schwanden. In Shanghai fiel der Terminkontrakt um acht Prozent auf 121.470 Yuan je Tonne und steuerte damit auf den größten Tagesverlust seiner Geschichte zu. Im Sog dessen verbilligten sich auch andere Industriemetalle wie Kupfer, Zinn und Zink deutlich.

Kryptosektor unter Druck

Technologieaktien mussten erneut Federn lassen. Aktien von Marvell Technology stachen mit einem Verlust von mehr als neun Prozent hervor, nachdem der Halbleiter-Hersteller auch für 2022 eine angespannte Situation bei Chip-Lieferungen vorausgesagt hatte.

Im Sog eines fallenden Bitcoin-Kurses flogen Werte aus dem Kryptowährungssektor und von Unternehmen, die sich mit der zugrundeliegenden Blockchain-Technologie befassen, aus den Depots. So verbilligten sich die Papiere von Riot, Marathon, Overstock und Silvergate um bis zu elf Prozent. (apa, reuters)