Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, sieht wegen der Coronakrise weiterhin Unsicherheiten für die konjunkturelle Erholung - insbesondere wegen der derzeit schleppenden Impfkampagnen. Der Ausblick für die Eurozone werde durch die Dynamik der Pandemie und die Geschwindigkeit der Impfkampagne beeinflusst, sagte Lagarde am Donnerstag bei einer Online-Anhörung des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Europäischen Parlaments.

"Wir sind überzeugt, dass 2021 das Jahr des Aufschwungs sein wird", erklärte Lagarde. Der Aufschwung werde aber erst in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt aufnehmen. Dann sei mit einer "starken Erholung der wirtschaftlichen Aktivitäten zu rechnen". In diesem Zusammenhang forderte Lagarde, dass die geplanten EU-Aufbauhilfen ohne Verzögerungen umgesetzt werden müssen.

Inflationsprognose angehoben

Abwärtsrisiken für die konjunkturelle Entwicklung sieht Lagarde eher kurzfristig. Mittelfristig sei dagegen damit zu rechnen, dass die Risiken für den Aufschwung durch die besseren Aussichten für die Weltwirtschaft und die weiteren Fortschritte bei den Corona-Impfungen eingedämmt werden.

Die EZB-Präsidentin rechnet in den kommenden Monaten auch mit einer anziehenden Inflation. Lagarde bekräftigte damit jüngste Aussagen. Die Notenbank hatte zuletzt ihre Inflationsprognose für die Eurozone im laufenden Jahr von 1,0 Prozent auf 1,5 Prozent angehoben. Darüber hinaus machte Lagarde erneut deutlich, dass die EZB die Auswirkungen der Wechselkurse auf die Inflation beobachten werde.

EZB versorgt Banken mit Liquidität

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Banken des Währungsraums in der Coronakrise mit reichlich Langfristkrediten versorgt. In einem speziellen Refinanzierungsgeschäft (TLTRO) besorgten sich die 425 teilnehmenden Banken insgesamt 330,5 Milliarden Euro. Das ist deutlich mehr als bei dem jüngsten Geschäft ähnlicher Art im Dezember. Damals wurden nur etwas mehr als 50 Milliarden Euro nachgefragt.

Der Zins für die Kredite mit dreijähriger Laufzeit richtet sich nach der Kreditvergabe der Banken. Reichen die Geldhäuser den Zentralbankkredit in die Wirtschaft weiter, können sie sogar die Belastungen durch den negativen Einlagenzins ("Strafzins") reduzieren. Die TLTRO sind die dritten ihrer Art. Die Konditionen wurden in der Coronakrise nochmals günstiger ausgestaltet. (apa/AFP)