Der weltgrößte Chipkonzern Intel will seine Produktionskapazitäten in den USA stark ausbauen. Es sei geplant, bis zu 20 Milliarden Dollar für die Errichtung von zwei Fabriken in Arizona auszugeben, kündigte der neue Firmenchef Pat Gelsinger in der Nacht zu Mittwoch an. Zudem steigt Intel in großem Umfang in das Geschäft zur Auftragsfertigung ein, indem der US-Konzern seine Werke für externe Kunden öffnet. Mit diesen Schritten reagiert Gelsinger, der Mitte Februar das Ruder übernommen hatte und von der Softwarefirma VMware kam, auch auf die jüngsten Produktionsschwierigkeiten. Zwischenzeitlich hatte es Spekulationen gegeben, dass Intel künftig stärker auf Auftragsfertiger wie Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) oder Samsung Electronics setzt.

Am Markt kam die neue Strategie gut an. Die Intel-Aktie legte nachbörslich 7,5 Prozent zu, während die Papiere von TSMC angesichts der schärfer werdenden Konkurrenz um vier Prozent einbrachen. Intel gehört weltweit zu den wenigen Chipfirmen, die Halbleiter entwickeln wie auch produzieren. Andere Entwickler wie Qualcomm oder Apple arbeiten mit Auftragsfertigern zusammen. Gelsinger sagte, Intel werde um Kunden wie Apple werben. Aktuell werden mehr als zwei Drittel aller modernen Chips in Asien gefertigt. US-Handelsministerin Gina Raimondo begrüßte die Ankündigung von Intel und erklärte, sie stärke die US-Wirtschaft und nationale Sicherheit und schaffe Tausende Hightech-Jobs.

Ohne konkreter zu werden, kündigte Intel-Deutschland-Chefin Christin Eisenschmid auch weitere Investitionen in Europa an. "Wir wollen dabei unseren Beitrag zur Erfüllung des Ziels der EU leisten, bis zum Jahr 2030 20 Prozent der Weltproduktion an Halbleitern einschließlich Prozessoren in Europa zu fertigen", sagte Eisenschmid und gab bekannt, dass auch Europa einen Beitrag zur Auftragsfertigung leisten wird.

Im laufenden Jahr rechnet Intel nun mit einem Umsatz von 72 Milliarden Dollar sowie einem bereinigten Gewinn je Aktie von 4,55 Dollar. Dies ist etwas weniger als von Analysten im Schnitt erwartet. Laut Gelsinger berücksichtigt der Ausblick die industrieweite Knappheit an einigen Baukomponenten. (reuters)