Mit Pomp und Trara wurde im November 2019 das 150-Jahr-Jubiläum der Eröffnung des Suezkanals gefeiert. Dieser Tage blickt die Öffentlichkeit wieder auf die Seestraße zwischen Asien und Europa, diesmal allerdings mit bangen Augen. Ein riesiges auf Grund gelaufenes Containerschiff blockiert den wichtigsten Schifffahrtskanal der Welt, den im vergangenen Jahr nach Angaben der Betreibergesellschaft Suez Canal Authority (SCA) fast 19.000 Schiffe durchfuhren, die insgesamt 1,17 Milliarden Tonnen an Gütern geladen hatten. Das könnte drastische Auswirkungen auf den Welthandel haben.

"Zentrale Lieferketten geraten aufgrund mangelnder Container, unpünktlicher Schiffe und fehlender Transportkapazität ins Stocken, während die Kosten steigen", warnt Holger Lösch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). 12 Prozent des weltweiten Handelsvolumens gehen durch den Suezkanal, dessen Nutzung den Schiffen 7.000 Kilometer Seeweg erspart. Die alternative Route verläuft um das Kap der Guten Hoffnung.

Wichtige Rolle für den Erdölmarkt

Auch für den Ölmarkt spielt der Kanal zwischen Port Said und Port Taufiq eine wichtige Rolle: Zehn Prozent des auf dem Seeweg transportierten Erdöls wird durch den Suezkanal verschifft, sowie acht Prozent der globalen Flüssiggas-Produktion. Dem Branchendienst S&P Platts zufolge warten allein 80 Tanker beladen mit Erdöl, Treibstoffen und chemischen Vorprodukten darauf, dass der Kanal wieder passierbar wird.

Die "Ever Given", eines der größten Containerschiffe der Welt, verstopft seit Dienstag den Suezkanal. Sie war mit ihrer Ladung auf dem Weg nach Rotterdam. Schlepperboote versuchten auch am Donnerstag, den 400 Meter langen und 59 Meter breiten quer gestellten Frachter zu bewegen. Rettungsprofis setzen auf das Wochenende, an dem die Flut stark in die Wasserstraße zwischen Europa und Asien drücken wird. Auch ein Team der niederländischen Spezialfirma Smit Salvage machte sich auf den Weg, wie der Chef der Mutterfirma Boskalis sagte. "Das ist, könnte man sagen, ein gestrandeter Wal", beschrieb Peter Berdowski im niederländischen Sender Nieuwsuur die Lage. Die "Ever Given" wieder flott zu bekommen, könne "Tage oder Wochen dauern".

"Jeder Tag, an dem das Schiff den Suezkanal blockiert, zieht einen Tag nach sich, dass der Stau noch aufgelöst werden muss", sagt Lieferketten-Experte Joachim Schaut vom Logistikdienstleister DB Schenker. Wenn die Schiffe den Suez wieder passieren könnten, dürfte es dann an den Häfen zu Staus kommen. "Also, das wird uns noch mindestens ein, zwei Monate auf Trab halten", so Schaut.

Hamburger Hafen ist Verspätungen gewohnt

Am Hamburger Hafen, Europas drittgrößter Anlaufstelle für Seeschiffe, herrscht unterdessen noch Gelassenheit. Die Blockade des Suezkanals habe aktuell noch keine gravierenden Auswirkungen, heißt es. Man sei Verspätungen gewohnt.

"Keines der Schiffe ist in diesem Jahr pünktlich gewesen. Von daher sehen Sie mich mit einer ganz geringen Gelassenheit, weil wir können auch diese Situationen handhaben", sagt die Vorstandsvorsitzende des Hamburger Hafenkonzerns HHLA, Angela Titzrath. Bisher hätten jedoch vor allem die Corona-Pandemie, das Wetter oder Streiks in anderen Häfen zu Verzögerungen geführt."

Für das ägyptische Regime bedeutet die Blockade des Suezkanals den Ausfall dringend benötigter Einnahmen. Im Haushaltsjahr 2019/2020 erwirtschaftete die SCA laut offiziellen Zahlen 5,8 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Tourismus brachte Ägypten vor der Corona-Pandemie 13 Milliarden Dollar im Jahr. Zuletzt hat das Regime 8,4 Milliarden Dollar in den Bau einer weiteren 36 Kilometer langen Kanalspur investiert, die im August 2015 eröffnet wurde. Die Erweiterung wurde als "Symbol des neuen Ägyptens" gefeiert. Bis 2023 sollte sich die Zahl der Schiffe, die den Kanal jeden Tag durchqueren, auf 97 verdoppeln.

Update

Der japanische Eigentümer des im Suezkanal seit Tagen feststeckenden Frachters hofft, das Schiff an diesem Wochenende freizubekommen. Wie ein Sprecher des Unternehmens Shoei Kisen am Freitag mitteilte, wolle man versuchen, das Container-Frachtschiff an diesem Samstag flott zu bekommen. Sollte dies nicht klappen, sei geplant, am Sonntag zwei weitere Schlepper einzusetzen. Das Unternehmen entschuldigte sich für den Vorfall.

Seit Dienstag blockiert die 400 Meter lange "Ever Given" den Suezkanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Das unter der Flagge Panamas fahrende Containerschiff war auf Grund gelaufen. Nach Angaben des japanischen Unternehmenssprechers versuchen bisher zehn Schlepper, den Frachter wieder flott zu bekommen - bisher erfolglos. Wie lange das Freischaufeln dauert, ist aber noch unklar. (ede)