Die noch andauernde Blockade im Suezkanal nach der Havarie eines Frachtschiffes kann nach Einschätzung des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) die Transportkosten für aus Asien importierte Waren weiter nach oben treiben. "Die Blockade des Kanals für mehrere Tage hat die bereits durch die Corona-Krise entstandene Engpässe im maritimen Welthandel verschärft", hieß es in einer am Montag in Kiel veröffentlichen Analyse des IfW.

Sollten Reedereien wegen des Staus von Frachtschiffen an den Zugängen des Suezkanals den Umweg um Afrika wählen und die Mehrkosten an die Kunden weitergeben, könnten die Importkosten für Waren aus Asien weiter steigen.

"Schon die Coronakrise hat für Verwerfungen im maritimen Handel gesorgt und die Preise für den Container-Transport explodieren lassen", sagte Vincent Stamer, Experte für maritimen Handel beim IfW. "Die Schiffshavarie im Suezkanal und ihre Nachwirkungen kommen nun noch als zusätzliche Belastung hinzu." Das treibt tendenziell die Preise für den Seehandel nach oben, was sich früher oder später auch in den Produktpreisen niederschlagen dürfte, so Experte Stamer.

Transportkosten ohnehin bereits stark angestiegen

Einen Umweg der Frachtschiffe auf der Strecke von Shanghai nach Hamburg um Afrika herum bezifferten die IfW-Experten auf mindestens 6.000 Kilometer, was einem Anteil von 30 Prozent der eigentlichen Strecke entspricht. "Bei proportionaler Weitergabe der Mehrkosten durch die Reedereien würden auch die Importkosten um 30 Prozent steigen", schreiben die IfW-Experten. Sollten die Reedereien darüber hinaus verlorene Zeit durch höhere Geschwindigkeiten der Frachtschiffe wettmachen wollen, dürfte das die Kosten überproportional steigen lassen.

Ein solcher Aufschlag würde dann auf den ohnehin schon starken Anstieg der Transportkosten der vergangenen Monate hinzugerechnet. Die Transportkosten von Asien nach Europa seien zum Jahreswechsel 2020/2021 drastisch gestiegen, hieß es in der Studie. Demnach ist es derzeit fast fünfmal so teuer, einen Container von Ostasien nach Europa zu transportieren, als vor einem Jahr.

Der extreme Preisanstieg betrifft aber nur Transporte von Waren von Asien nach Europa. Für Fahrten von Europa nach Asien sind Frachtkapazitäten viel günstiger am Markt zu bekommen. Ursache ist unter anderem der starke Anstieg von Waren, die aus China nach Europa exportiert werden. Seit dem zweiten Halbjahr 2020 wird mehr Fracht aus Asien nach Europa exportiert als umgekehrt. Dies hat zu einer Knappheit von Containern und Ladekapazität in Asien geführt. (dpa-AFX)