Trotz Corona-Krise erwartet die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) für heuer einen etwas stärkeren Anstieg der weltweiten Ölnachfrage als zuletzt. Laut dem neuen Monatsbericht von Dienstag geht sie für 2021 von einem Zuwachs von durchschnittlich 6,0 Millionen Fass pro Tag aus (mb/d) - auf im Schnitt 96,5 Millionen Barrel täglich. Auch im Vormonat März hatte die Opec ihre Nachfrageerwartung leicht nach oben geschraubt.

Die nun im April nochmals etwas höhere Erwartung begründete die Opec damit, dass die Nachfrage im zweiten Halbjahr 2021 stärker sein werde als noch vor einem Monat gedacht - unterstützt durch Konjunkturprogramme und eine weitere Lockerung der Covid-19-Beschränkungen, während sich die Impftätigkeit vor allem im OECD-Raum beschleunige. Fürs laufende erste Halbjahr habe man jedoch die Ölnachfrage nach unten korrigiert, vor allem wegen der jüngsten Corona-Maßnahmen in Industriestaaten und der schleppenden Ölnachfrage außerhalb der OECD. 2020 dürfte die Welt-Ölnachfrage um 9,5 mb/d auf im Schnitt 90,5 mb/d gesunken sein, so die Opec am Dienstag.

Für die globale Konjunktur sind die Opec-Experten einen Hauch optimistischer als noch vor einem Monat. Für die Weltwirtschaft rechnen sie nun für heuer mit 5,4 Prozent Wachstum statt 5,1 Prozent, auch für den OECD-Raum sind sie mit 4,6 statt 4,3 Prozent zuversichtlicher. Die US-Wirtschaft sehen sie sogar um 5,7 statt um 4,8 Prozent expandieren, bei China haben sie von 8,0 auf 8,4 Prozent draufgesattelt. Für die Eurozone, die voriges Jahr um 6,8 Prozent geschrumpft ist, blieben die Opec-Fachleute in neuen Monatsbericht aber bei 4,3 Prozent BIP-Plus für 2021.

Weitere Konjunkturerholung

Die weltweite wirtschaftliche Erholung setze sich fort, maßgeblich unterstützt durch beispiellose geld- und fiskalpolitische Stimulierung, resümieren die Ökonomen. Der Aufschwung werde sich hauptsächlich im zweiten Halbjahr abspielen. Grundannahme dieser Prognose sei, dass Covid-19 bis zum Anfang des zweiten Halbjahres weitgehend eingedämmt sei - indem die Mehrheit der Bevölkerung in den entwickelten Volkswirtschaften geimpft sein werde und die Pandemie kein großes Hindernis für Schwellen- und Entwicklungsländer darstellen werde.

Im März lag die Welt-Ölversorgung laut Opec vermutlich im Schnitt bei 93,23 mb/d, um 1,22 mb/d unter dem Monat davor und um 7,22 mb/d weniger als im März 2020. Der Opec-Anteil an der Weltmenge lag dem Bericht zufolge bei 26,9 Prozent, das lag um 0,1 Prozentpunkt unter dem Vormonat Februar.

Saudis drosseln Produktion erneut

Laut Monatsbericht betrug die Opec-Förderung im März im Schnitt 25,04 Mllionen Fass pro Tag - etwas mehr als im Februar (24,84 mb/d). Das führende Opec-Förderland Saudi-Arabien drosselte seine Produktion nochmals und kam demnach laut Sekundärquellen im Schnitt auf 8,09 mb/d (etwas weniger als die 8,12 mb/d im Februar, aber rund eine Million Fass pro Tag weniger als die 9,08 mb/d von Jänner), gefolgt vom Irak mit 3,91 mb/d (etwas mehr) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) mit 2,61 mb/d und Kuwait mit 2,33 mb/d (beides unverändert).

Libyen, wo auch die OMV tätig ist, weitete seinen Output binnen Monatsfrist nochmals eine Spur aus auf im Schnitt 1,20 mb/d, nach 1,17 mb/d im Februar und 1,15 mb/d im Jänner. Im Dezember hatte Libyen das größte absolute Plus aller Opec-Mitglieder verzeichnet und davor, im November, soviel Öl gefördert wie seit 2019 nicht mehr. (apa)