Die Europäische Zentralbank (EZB) wird an diesem Donnerstag (22. April) ihre lockere Geldpolitik voraussichtlich bestätigen. Angesichts der Beruhigung an den Anleihemärkten dürfte die EZB im Rahmen ihrer Zinssitzung auf weitergehende Maßnahmen laut Ökonomen verzichten. In der zuletzt gestiegenen Inflation sieht die Notenbank nur ein vorübergehendes Phänomen.

Die Lage an den Anleihemärkten hat sich seit der jüngsten Sitzung entspannt. Die EZB hatte auf ihrer Sitzung im März eine übergangsweise Beschleunigung der Anleihekäufe im Rahmen des Corona-Krisenprogramms PEPP beschlossen. Zu Jahresbeginn waren die Marktzinsen an den Anleihemärkten deutlich gestiegen. Die Notenbank befürchtete eine Belastung der Wirtschaft durch ungünstigere Finanzierungsbedingungen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde dürfte sich nach der Einschätzung der Dekabank zufrieden damit zeigen, dass eine Straffung der Finanzierungsbedingungen verhindert worden sei. So hat sich bereits eine Reihe von EZB-Ratsmitgliedern in diese Richtung geäußert. Tatsächlich hat sich der Anstieg der Renditen der Staatsanleihen in Grenzen gehalten.

"Keine Entscheidungen am Donnerstag"

Commerzbank-Experte Michael Schubert verweist zudem auf das Protokoll der jüngsten EZB-Ratssitzung. Dieses habe bestätigt, dass die Notenbank erst im Juni über die wöchentlichen Kaufvolumina entscheiden werde. "Folglich stehen bei der Sitzung am kommenden Donnerstag keine Entscheidungen an", so Schubert.

Mit Blick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung dürfte sich Lagarde zurückhaltend äußern. So hinkt die EU bei den Impfungen den USA trotz der jüngsten Beschleunigung weiter hinterher. In wichtigen Ländern wie Frankreich und Italien wurden die Corona-Maßnahmen sogar verschärft. In Deutschland könnte es zu weiteren Beschränkungen kommen. Auch fielen die Konjunkturhilfen in der EU insgesamt schwächer aus als in den USA. Das große Hilfspaket der EU "Next Generation EU" könnte zudem durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts gestoppt werden. Lagarde dürfte erneut ein rasches Inkrafttreten des Programms fordern.

Ein Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik dürfte noch kein Thema sein. Das niederländische Ratsmitglied Klaas Knot hatte zwar angedeutet, dass die EZB bereits im dritten Quartal mit einem Ausstieg aus dem Krisenprogramm beginnen könnte. Eine Reihe von Mitgliedern wie Direktoriumsmitglied Fabio Panetta verwiesen jedoch darauf, dass eine umsichtige Vorgehensweise angezeigt sei mit eher zu viel als zu wenig Unterstützung.

Papiere im Wert von knapp einer Billion Euro

Über PEPP wurden bisher Papiere im Wert von knapp einer Billion Euro erworben. Insgesamt hat das Programm ein Volumen von 1,85 Billionen Euro. Eine Änderung des Volumens erwarten Ökonomen nicht. Auch der Leitzins sollte nicht geändert werden. Derzeit liegt der besonders wichtige Einlagensatz bei minus 0,5 Prozent und der Hauptrefinanzierungssatz bei 0,0 Prozent.

In der zuletzt gestiegenen Inflation sieht die EZB kein anhaltendes Problem. Laut Chefvolkswirt Philip Lane ließen sich vorübergehende Preisanstiege "auf eine Vielzahl temporärer Faktoren zurückführen, die allesamt keinen Einfluss auf die mittelfristige Inflationsdynamik haben dürften". Lane geht weiter davon aus, dass die Inflation in den kommenden Jahren deutlich unter dem von der Notenbank mittelfristig angestrebten Ziel von knapp zwei Prozent liege.

In ihren Prognosen geht die EZB davon aus, dass die Inflation im Euroraum 2022 auf 1,2 Prozent zurückgehen und 2023 nur 1,4 Prozent erreichen wird. Für heuer erwartet die EZB eine Rate von 1,5 Prozent. (dpa-AFX)