Großbritannien stellt nach dem Brexit Bankenregeln auf den Prüfstand, die die EU als Konsequenz aus der Finanzkrise erlassen hatte. Im Auftrag des Londoner Finanzministerium startete am Dienstag eine Untersuchung zu Vorgaben für Kapitalmarktgeschäfte von großen Geldhäusern wie HSBC und Barclays. Den Instituten war im Nachklang der Finanzkrise unter anderem vorgeschrieben worden, ihr Privatkundengeschäft vom riskanteren Investmentbanking zu trennen.

Nach dem EU-Ausstieg ist Großbritannien nicht mehr an die Regeln aus Brüssel gebunden. Gleichzeitig versuchen die Briten, die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzzentrums London zu stärken.

In den vergangenen zehn Jahren habe sich das Geschäftsumfeld der britischen Banken durch den Brexit und die Corona-Pandemie stark verändert, heißt es in der Präsentation der vom Londoner Finanzmarktveteranen Keith Skeoch geleiteten Untersuchung. Skeochs Team soll demnach Branchenvertreter dazu befragen, wie sich die geltenden Vorschriften angesichts der Veränderungen im britischen Finanzsektor und der Wirtschaft insgesamt auswirkten. Dabei gehe es um beabsichtigte und unbeabsichtigte Folgen für die Finanzstabilität, den Wettbewerb sowie die Konkurrenzfähigkeit der Institute.

Im Mittelpunkt der Regeln steht der Eigenhandel, bei dem Banken Wertpapiere nicht im Auftrag von Kunden, sondern auf eigene Rechnung kaufen und verkaufen. Die Trennung dieser potenziell lukrativen, aber auch riskanten Kapitalmarktgeschäfte vom Privatkundenbereich war eine Konsequenz daraus, dass mehrere Geldhäuser in der Finanzkrise mit Steuergeldern gerettet werden mussten. Jede Empfehlung, die Vorschriften zu lockern, dürfte auf Widerstand der britischen Zentralbank stoßen. Skeoch soll dem Finanzministerium binnen eines Jahres Bericht erstatten. (reuters)