Die Corona-Krise lastet  auf den Geschäften des Pharmakonzerns Novartis. Wegen Lockdowns und Einschränkungen musste das Unternehmen Gewinneinbußen hinnehmen und schnitt schlechter ab als von Analysten befürchtet. Schlecht lief es auch für die Tochter Sandoz, für die Konzernchef Vas Narasimhan deshalb die Jahresprognosen senkte. Dass viele Menschen mit dem Arztbesuch zögerten, wirkte sich bei Novartis vor allem auf die Geschäfte mit Medikamenten gegen Haut-und Augenkrankheiten und bei Brustkrebsarzneien aus, wie der Konzern am Dienstag in Basel mitteilte.

Der Generikahersteller Sandoz bekam die schwache Nachfrage vor allem in seinem Einzelhandelsgeschäft, etwa in den Apotheken und bei dem Verkauf von Medikamenten gegen Infekte, zu spüren. Grund war zum einen, dass wegen der Abstandsregeln in der Pandemie die Grippe- und Erkältungssaison ungewöhnlich harmlos verlief. Zudem hatte Sandoz im Vorjahr, als das Virus sich von Asien über die Welt ausbreitete, noch von Vorratskäufen profitiert.  Der Vorstand erwartet für Sandoz nunmehr in 2021 einen Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich, nachdem zuvor noch von Erlösen auf Vorjahresniveau die Rede war.

Konzernweit legte der Umsatz von Novartis zum Jahresstart dank positiver Umrechnungseffekte im Vorjahresvergleich um ein Prozent auf 12,4 Milliarden US-Dollar (10,26 Milliarden Euro) zu, zu konstanten Währungen musste Novartis aber Einbußen von zwei Prozent hinnehmen. Das um Sonderfaktoren bereinigte operative Ergebnis ging jedoch nominal um fünf Prozent auf 3,96 Milliarden Dollar zurück. Unter dem Strich verdiente der Konzern mit 2,06 Milliarden Dollar ebenfalls fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Analysten hatten mit mehr Umsatz und einem weniger starken Ergebnisrückgang gerechnet.

Die gesteckten Ziele will Novartis auch auf Konzernebene im Gesamtjahr erreichen. Die Prognose sieht ein währungsbereinigtes Umsatzplus im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich vor, das bereinigte operative Ergebnis soll währungsbereinigt im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen, welches über dem Umsatzwachstum liegen soll. Ab Jahresmitte dürfte sich die Lage mit einer Ausweitung der Impfkampagne langsam verbessern, hofft Novartis-Chef Narasimhan.

Tiroler Impfstoffproduktion am Start

Novartis hat einen Sitz im Tiroler Kundl, wo man im zweiten Quartal mit der Herstellung der mRNA und des vorformulierten Wirkstoffes für den Corona-Impfstoffkandidaten Curevac beginnen will. So sieht man sich für mögliche kommende Corona-Mutationen gut gerüstet. "Die Technologie am Standort ermöglicht uns eine schnelle Reaktion", meinte Michael Kocher, Country President von Novartis Österreich. "Zuerst einmal wollen wir bis Ende 2022 rund 250 Millionen Impfstoffdosen produzieren", erläuterte Kocher.

Man habe am Tiroler Standort 20 Millionen Euro investiert, hob Mario Riesner, Managing Director der Sandoz GmbH, Anfang März hervor. Künftig wolle man Kundl-Schaftenau als "Technologie-Zentrum" aufbauen. Dass gegenwärtig so schnell auf die Corona-Thematik reagiert wurde, sei zudem Verdienst von "70 Jahren Pioniergeist", so Riesner. (apa/dpa-afx)