Der Chiphersteller Infineon wird nach guten Geschäften im zweiten Geschäftsquartal erneut etwas optimistischer und hebt seine Prognose erneut leicht an. Konzernchef Reinhard Ploss sieht den Dax-Konzern auf dem Weg zu seinen Zielen für das Geschäftsjahr voll auf Kurs. Denn Infineon profitiert weiter von der anhaltenden Erholung der Automärkte und vom boomenden Chip-Markt. An der Börse ließen die Nachrichten die Anleger aber zunächst kalt, die Aktie lag zuletzt im Minus.

Für das laufende Geschäftsjahr 2020/21 (bis Ende September) erwartet Infineon, das in Österreich in Villach in Kärnten ein großes Werk hat, nun einen Umsatz von etwa 11,0 Mrd. Euro und damit etwas mehr als zuletzt im Februar angepeilt, wie das Unternehmen am Dienstag in Neubiberg bei München mitteilte. Bisher hatte der Halbleiter-Spezialist nach der milliardenschweren Übernahme des US-Konzerns Cypress Semiconductor mit Erlösen von rund 10,8 Mrd. Euro gerechnet, als Infineon seine Prognose bereits im Februar leicht angehoben hatte.

Bei der operativen Marge (Segmentergebnis-Marge) rechnet Infineon jetzt mit etwa 18 Prozent. Zuvor hatte der Chiphersteller mit einer Marge auf Basis das Segmentergebnisses von 17,5 Prozent kalkuliert. Die geplanten Investitionen sollen weiterhin bei circa 1,6 Mrd. Euro liegen.

Bedarf übersteigert Angebot

Elektronik zur Beschleunigung der Energiewende und für die Arbeit und das Leben zuhause blieben sehr gefragt, verdeutlichte Ploss. "In den meisten Anwendungsfeldern übersteigt der Bedarf das Angebot deutlich. Die Werke von Infineon laufen auf Hochtouren und wir investieren weiter in zusätzliche Kapazitäten", unterstrich der Manager. Engpässe sehe Infineon in jenen Segmenten, in denen der Konzern Chips von Auftragsfertigern beziehe - insbesondere bei Mikrocontrollern für das Auto, sagte Ploss mit Blick auf den nach wie vor akuten weltweiten Halbleitermangel.

Händler bezeichneten das zweite Quartal als stark und die Aussichten für das laufende dritte Geschäftsquartal als solide. Die höher gesteckten Jahresziele überraschten am Markt aber nicht mehr groß, hieß es. Ein Marktexperte verdeutlichte zudem, dass die vorgelegten Zahlen zwar nicht mehr begeisterten, das Wachstum aber intakt sei.

Im zweiten Jahresviertel (bis Ende März) setzte sich die Erholung der Geschäfte bei Infineon fort. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorquartal um 3 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro. Damit lag der Halbleiter-Spezialist im Rahmen der Erwartungen der Analysten. Vor allem im besonders wichtigen Automobilgeschäft konnte Infineon klar zulegen. Mit der Autoindustrie macht Infineon den Löwenanteil seines Umsatzes. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern dort die Folgen der Coronakrise zu spüren bekommen.

PSS-Sparte nachgefragt

Auch in der PSS-Sparte, in der unter anderem das Geschäft mit Chips für die Stromversorgung sowie für mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones gebündelt ist, war die Nachfrageentwicklung in geringerem Maße positiv. Dagegen musste Infineon im Geschäft mit Industriehalbleitern sowie in der CSS-Sparte, in der unter anderem das Geschäft mit Chips für das kontaktlose Bezahlen oder Spielekonsolen gebündelt ist, leichte Rückgänge verkraften.

Das operative Ergebnis (Segmentergebnis) lag im zweiten Quartal mit 470 Mio. Euro allerdings um 4 Prozent unter dem Wert des Vorquartals. Die operative Marge war um 1,2 Prozentpunkte rückläufig und lag bei 17,4 Prozent. Infineon hatte sich mit Blick auf diese Kennziffer aber bereits vorsichtig gezeigt und mit einer geringeren Marge im Vergleich zum Vorquartal gerechnet.

Der Konzern hatte das im Februar mit der neuen Preisrunde begründet. So hat Infineon langfristige Lieferverträge abgeschlossen, die abgestuft Preissenkungen beinhalten. Zudem hatte Infineon zum Jahresauftakt von Sondereffekten etwa aus erhaltenen Forschungsförderungen und Patentumsätzen profitiert. Unter dem Strich stand im zweiten Geschäftsquartal ein Konzernüberschuss von 203 Mio. Euro nach 256 Mio. Euro ein Quartal zuvor. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnte Infineon dagegen bei allen Kennziffern klar zulegen. (apa/dpa)