Bei der von der Corona-Krise hart getroffenen AUA-Mutter Lufthansa sorgen geplante Einschnitte beim Personal weiter für Streit. Manche Aktionäre kritisierten auf der Hauptversammlung am Dienstag, die Lufthansa verschlanke sich nicht schnell genug und leiste sich zu hohe Gehälter. Gewerkschafter warfen der Airline-Gruppe Tarifflucht und Stellenverlagerung ins Ausland vor.

In einem offenen Brief an die deutsche Regierung forderten die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und andere Personalvertretungen, die Aufsichtsratsvertreter des Staats bei der Lufthansa müssten dem Einhalt gebieten.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr verteidigte niedrigere, nicht tarifgebundene Gehälter bei der Ferienfluglinie Eurowings Discover. Sie seien notwendig, damit die Airline profitabel sei. "Tarifierung sichert nicht unbedingt Arbeitsplätze", sagte er. Zu hohe Löhne seien der Grund gewesen, dass die Lufthansa die Tochter Germanwings in der Krise schloss.

Die Mitarbeiterzahl im Lufthansa-Konzern sank weltweit seit Ausbruch der Corona-Krise von knapp 140.000 auf zuletzt 111.000. Schon im vergangenen Jahr hieß es, die Belegschaft müsse auf 100.000 Köpfe schrumpfen. Das Lufthansa-Management kündigte zuletzt an, weitere 10.000 Jobs in Deutschland 2022 abzubauen - auch über Kündigungen, wenn keine neuen Vereinbarungen mit den Gewerkschaften über alternative Kostensenkungen gelängen.

Union Investment: "Halbherziges Krisenmanagement"

Die Fondsgesellschaft Union Investment kritisierte auf dem virtuellen Aktionärstreffen, dass die Lufthansa anders als die Billigflieger Ryanair oder Easyjet die Krise nicht konsequent nutze, um sich schlanker aufzustellen. "Die Lufthansa betreibt nur ein halbherziges Krisenmanagement, obwohl sie in der schwersten Krise ihrer Geschichte steckt", erklärte Michael Gierse, Fondsmanager bei Union Investment. Ein anderer Aktionär monierte, die Gehälter bei der Lufthansa seien zu hoch. Auch die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes für Piloten durch die Airline auf ein Monatsgehalt von bis zu 15.000 Euro wurde hinterfragt.

Gewerkschaften und Personalvertreter des Flugpersonals von Lufthansa, Condor und TUIfly prangerten an, die Lufthansa verdränge mit dem Sparkurs die Konkurrenten Condor und TUIfly. Die Politik solle ihren Einfluss über die beiden Vertreter des deutschen Staats im Lufthansa-Aufsichtsrat endlich geltend machen, "um der rücksichtslosen Ausnutzung dieser Krise zulasten der Beschäftigten ein Ende zu setzen".

Der Staat ist als Beteiligter an der insgesamt 9 Milliarden Euro schweren Rettungsaktion der Lufthansa in der Coronakrise seit dem vergangenen Jahr größter Lufthansa-Aktionär mit einem Anteil von 20 Prozent. Ohne Staatshilfe wäre eine Insolvenz unvermeidlich gewesen, erklärte Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley. Seither erholte sich der Luftverkehr wegen der Reisebeschränkungen in der Pandemie kaum.

Großteil der Flotten auf dem Boden

Ein Großteil der Flotten von Lufthansa, Eurowings, Austrian (AUA) und Brussels Airlines sowie Swiss stehen noch auf dem Boden. Neben Germanwings wurde auch der mit Turkish Airlines betriebene Ferienflieger SunExpress Deutschland geschlossen. "Die Restrukturierung der Lufthansa bleibt auch 2021 allerhöchste Priorität", erklärte Kley.

Von den Aktionären will sich die Lufthansa grünes Licht geben lassen für Kapitalerhöhungen im Volumen von bis zu 5,5 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren. Der Plan stieß auf ein geteiltes Echo. Union Investment wollte gegen den "völlig überdimensionierten" Kapitalvorratsbeschluss stimmen. "Wegen der schwachen Historie bei der Krisenbewältigung sind wir nicht bereit, dem Management einen Blankoscheck auszustellen", erklärte Fondsmanager Gierse. Die DekaBank dagegen zeigte Verständnis. Das sei nicht überraschend, da das Eigenkapital auf nur noch 2 Milliarden Euro geschmolzen sei und die Bilanz gestärkt werden müsse, erklärte Nachhaltigkeitsexpertin Vanessa Golz.

Die Lufthansa erklärte, die Höhe sei eine technische Zahl und entspreche den vom Staat gewährten stillen Einlagen. Denn Kapitalerhöhungen müssten zum Rückzahlen der Staatshilfe genutzt werden. Der MDax-Konzern tilgte bereits den Milliardenkredit der Staatsbank KfW, indem er Geld über Anleihen aufnahm. "Wir finanzieren uns lieber am Kapitalmarkt als beim Steuerzahler", betonte Konzernchef Spohr. (reuters)