Im Kampf gegen Geldwäsche will die EU-Kommission Barzahlungen von über 10.000 Euro verbieten. Das kündigte Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" an. "Wir reden über eine Obergrenze von 10.000 Euro. So viel Geld in den Taschen herumzutragen, ist ganz schön schwer. Die meisten Menschen machen das nicht", sagte die Kommissarin. Die Vorschrift soll Teil eines Pakets an Gesetzesvorschlägen gegen Geldwäsche sein, das die Kommission im Juli vorstellen will.

McGuinness sagte dem Blatt, sie wolle mit Unterstützung der Mitgliedstaaten den Aufbau einer EU-Behörde zum Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung vorschlagen: "Sie wird viele Befugnisse haben und die Anti-Geldwäsche-Politik bestimmter großer Banken direkt überwachen." Das Paket im Juli werde ein "Big Bang" für den Kampf gegen Geldwäsche sein.

"Nur Bares ist Wahres" gilt besonders in Österreich. Das zumindest zeigt eine internationale Umfrage des Shopping-Dienstleisters Klarna (Sample 9.000 Personen). Während in Österreich und Deutschland 47 Prozent bevorzugt mit Bargeld zahlen, sind es im internationalen Schnitt nur 30 Prozent. Besonders beliebt ist der bargeldlose Zahlungsverkehr mit Karte in Schweden (72 Prozent), das Handy zücken gerne die Niederländer (17 Prozent).

Wobei die Österreicherinnen noch mehr den Scheinen und Münzen angetan sich als die Österreicher. Und das Bargeld ist keineswegs eine Domäne der älteren Einkäufer. "Insbesondere bei den 18- bis 25-Jährigen (50 Prozent) und den 46- bis 55-Jährigen (54 Prozent) steht die Barzahlung hoch im Kurs", so Klarna.

Wie die Zahlungsplattform Paysafe berichtet, geben die Österreicher ihre Daten beim Zahlen nicht gerne her. Laut deren Umfrage wollen 51 Prozent keine Daten beim Online-Bezahlen übermitteln. Allerdings habe die Corona-Pandemie die Akzeptanz digitaler Bezahlformen erhöht. "Für rund zehn Prozent der Konsumenten war die Pandemie der Anlass, erstmals online einzukaufen. Zugleich geben 29 Prozent an, heute mehr als vor einem Jahr zu befürchten, persönlich Opfer von Betrug im Internet zu werden. Dies gilt insbesondere im Zusammenhang mit der Eingabe von persönlichen Daten beim Bezahlen im Online-Shop", so Paysafe.

ÖVP und FPÖ wollen
keine Bargeld-Obergrenze

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) lehnt den Vorstoß von EU-Finanzmarktkommissarin McGuinness ab, Barzahlungen von über 10.000 Euro zu verbieten. Für viele Menschen sei Bargeld "immer noch das wichtigste und bevorzugte Zahlungsmittel, vor allem in Österreich", Blümel in einer Aussendung am Montag.

Klare Ablehnung kam auch von FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl und FPÖ-Europasprecherin Petra Steger. "Von wegen Geldwäschebekämpfung: Das ist die Vorstufe zur Abschaffung des Bargelds und damit ein weiterer Schritt zum gläsernen Bürger", kritisierte Kickl in einer Aussendung. Das organisierte Verbrechen werde diese Beschränkung wenig beeindrucken. Kickl erneuerte seine Forderung nach der Verankerung des Rechts auf Barzahlung in der Verfassung.

Der Finanzminister verwies auf Zahlen der Oesterreichischen Nationalbank, wonach der Bargeldanteil bei Transaktionen in Österreich bei 79 Prozent liegt und sich damit über dem Euroraum-Durchschnitt von rund 73 Prozent befindet. "Gerade in der Krise haben viele Bürgerinnen und Bürger die Sicherheit von Bargeld geschätzt. Diese Freiheit und Wahlmöglichkeiten muss auch in Zukunft erhalten bleiben", sagte Blümel. Der Kampf gegen Geldwäsche sei "selbstverständlich wichtig, darf aber nicht zu Lasten der ehrlichen Bürgerinnen und Bürger gehen".(reuters/apa)