Nicht wenigen Autofahrern, die noch nicht mit einem sauberen, aber relativ teuren Vehikel wie einem Elektro- oder einem Wasserstoff-Auto unterwegs sind, dürfte bereits angst und bange geworden sein. Ist im schlimmsten Fall bald wieder Zufußgehen angesagt? Verfolgt man die aktuelle Meldungslage, wäre diese Annahme gar nicht einmal abwegig. Denn erst am Mittwoch hatte ein Gericht in Den Haag den britisch-niederländischen Öl- und Gasriesen Shell nach einer Klage mehrerer Umweltschutzgruppen dazu verpflichtet, mehr Anstrengungen beim Klimaschutz zu unternehmen und seine CO2-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent zu senken. Aber auch anderen Größen der Branche scheint es inzwischen an den Kragen zu gehen.

In den USA bekommen die beiden Ölgiganten Exxon Mobil und Chevron von einem Teil ihrer Aktionäre Druck, mehr für den Klimaschutz zu tun. In den Verwaltungsrat von Exxon Mobil wurden am Mittwoch mindestens zwei Mitglieder der Aktivistengruppe "Engine No. 1" gewählt. Diese hatte vor kurzem eine Kampagne für mehr Klimaschutz gestartet und pocht bei Exxon Mobil auf einen Rückgang bei Öl und Gas zugunsten erneuerbarer Energien.

Die Aktionäre von Exxon Mobil stimmten außerdem mehrheitlich für eine Resolution, die den amerikanischen Energieriesen zu einem Bericht darüber verpflichtet, ob dessen Lobbyarbeit im Einklang mit den Pariser Klimaschutzzielen steht. Exxon Mobil hatte in der Vergangenheit - genau wie Chevron - immer wieder die Notwendigkeit betont, weiter in Öl und Gas zu investieren. In den vergangenen Monaten kündigten die beiden Konzerne allerdings neue Initiativen zum Umweltschutz an. Bei der Hauptversammlung von Chevron votierten 61 Prozent der Investoren für einen von Aktivisten ausgearbeiteten Entwurf, der das Unternehmen zur Senkung der CO2-Emissionen seiner Produkte auffordert.

OMV bleibt vorerst unbehelligt

Generell steigt derzeit der Druck auf international tätige Energiekonzerne, ihren ökologischen Fußabdruck zu verbessern, immer mehr. Zu Exxon Mobil und Chevron äußerte sich die österreichische Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) zwar nicht, aber zu Shell. Für sie ist das Gerichtsurteil in den Niederlanden richtungsweisend. "Unternehmen können sich nicht länger aus ihrer Verantwortung stehlen", betonte Gewessler am Donnerstag. "Fossile Brennstoffe wie Öl und Gas gehören der Vergangenheit an - damit wird man in Zukunft kein Geld mehr verdienen können."

Aus Sicht der Grünen werden große Öl- und Gas-Unternehmen keine Zukunft haben, wenn sie ihr Geschäftsmodell nicht klimafreundlicher gestalten. Konkrete Maßnahmen gegen den teilstaatlichen Wiener Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV hat Gewessler aber nicht im Auge. Vielmehr will sie "mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen dafür sorgen, dass wir unsere CO2- Emissionen bis 2030 um mehr als die Hälfte reduzieren". Nachsatz: "So werden wir das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 erreichen." (kle)