Teure Energie hat die Verbraucherpreise in Deutschland im Mai so stark gesteigert wie seit rund neuneinhalb Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 2,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Montag in seiner ersten Schätzung mitteilte. Das ist der höchste Wert seit September 2011. Im April hatte die Inflationsrate noch 2,0 Prozent betragen.

Experten gehen davon aus, dass die Teuerungsrate in den kommenden Monaten weiter nach oben klettern wird. Sie könnte in der zweiten Jahreshälfte "an die vier Prozent" heranreichen, erwartet der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Nicht zuletzt deshalb, weil die Preise in der zweiten Jahreshälfte 2020 von der zeitweise gesenkten Mehrwertsteuer gedrückt wurden und sich dieser Effekt dann umkehrt.

Preistreiber Nummer eins blieb im Mai die Energie: Sie verteuerte sich um 10,0 Prozent. So kosteten Kraftstoffe wie Benzin etwa in Nordrhein-Westfalen 28,4 Prozent mehr als im Mai 2020. "Die großen Treiber der Inflation sind die Ölpreise", sagte Schmieding. "Das liegt vor allem daran, dass vor einem Jahr die Ölpreise kurzfristig stärker in den Keller gerutscht waren als je zuvor." Damals steckte die Weltwirtschaft wegen der Corona-Pandemie in einer Rezession. Hinzu kommt, dass klimaschädliche fossile Brennstoffe seit Jahresbeginn mit 25 Euro pro Tonne CO2 belegt werden, was sie ebenfalls teurer macht.

Am Montag hatten auch Spanien und Italien einen weiteren Anstieg der Inflation im Mai gemeldet. (apa)