In die amerikanische Medienbranche ist zuletzt Bewegung gekommen. Nachdem zunächst der Telekomriese AT&T bekanntgegeben hatte, seine Mediensparte Warner Media (CNN, HBO, Warner Bros.) mit dem Geschäft des Konkurrenten Discovery zusammenzuspannen, um das Streaming-Angebot zu stärken, kam Amazon kurz danach mit einer ebenso überraschenden Nachricht. Der Online-Handelsgigant teilte mit, dass er das unter anderem für die James-Bond-Filme bekannte Hollywood-Studio Metro Goldwyn Mayer (MGM) erwirbt. Der stolze Preis: 8,45 Milliarden Dollar, umgerechnet knapp mehr als 6,9 Milliarden Euro.

Für Amazon ist die Akquisition die zweitgrößte Übernahme nach der Supermarktkette Whole Foods, die sich der US-Konzernriese vor vier Jahren 13,7 Milliarden Dollar kosten ließ. Indes sollen die Eigentümer von MGM - das Unternehmen rutschte 2010 in die Pleite - bereits seit Langem einen Käufer gesucht haben. Bis dato war Metro Goldwyn Mayer eines der wenigen Hollywood-Studios, das unabhängig agierte und nicht Teil eines Großkonzerns gewesen ist.

Mit der Übernahme holt sich Amazon für seine Streaming-Dienste die James-Bond-Filmreihe sowie eine Bibliothek aus insgesamt mehr als 4.000 Filmtiteln, darunter so berühmte wie "Ben Hur" oder "Rocky", ins Portfolio. Darüber hinaus ist ein voll funktionsfähiges Studio, das nicht nur Filme, sondern auch Fernsehserien produziert, im Paket enthalten.

"Amazon braucht ,Content‘ (Inhalte, Anm. d. Red.) im Kampf gegen andere Streaming-Anbieter wie Netflix, Disney & Co", erklärt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin der Unicredit Bank Austria, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Gerade im Geschäft mit Video-Streaming habe sich der Wettbewerb zuletzt zunehmend verschärft. MGM und ein damit deutlich vergrößertes Streaming-Angebot sollen Amazon nun helfen, den Großen dieser Branche vermehrt Wasser abgraben.

"MGM ist ein Vehikel, um Amazon Prime zu propagieren"

Im Pandemie-Jahr 2020 belief sich die Zahl jener Kunden des Amazon-Abo-Dienstes Prime, die sich im Internet TV-Shows und Filme herunterluden, auf mehr als 175 Millionen. Klar ist, dass Amazon diese Zahl mit MGM im Rücken kräftig nach oben schrauben will.

Daneben soll wohl aber auch die Gesamtzahl der Prime-Abonnenten, die sich aktuell auf mehr als 200 Millionen beläuft, weiter ansteigen. Zumal das Kerngeschäft von Amazon ja der Handel mit Waren aller Art ist und die Streaming-Dienste bloß auf einer Nebenschiene des US-Konzerns laufen. "Für Amazon ist MGM ein Vehikel, um Prime zu propagieren", erklärt denn auch Rosen-Philipp. "Vieles, was Amazon tut, ist darauf ausgerichtet, noch mehr Prime-Abonnenten zu gewinnen."

Als mit Abstand wichtigstes Asset von MGM gelten die James-Bond-Filme, auf deren Rechte Amazon künftig Zugriff hat. "Analysten schätzen, dass vom Gesamtpreis für MGM etwa die Hälfte auf den Markenwert dieser Filme entfällt", so Rosen-Philipp. Im Übrigen haben die Produzenten bereits bekräftigt, dass die Bond-Filme weiterhin im Kino gezeigt werden.

Streaming-Anbieter stecken in Eigenproduktionen viel Geld

Neben dem Ankauf von Lizenzen investieren Streaming-Konzerne inzwischen auch viel Geld in Eigenproduktionen, um das Angebot auszuweiten. Amazon etwa erhöhte die Ausgaben für Inhalte 2020 von 7,8 auf 11 Milliarden Dollar. Laut Rosen-Philipp lag der Anteil der Eigenproduktionen am Streaming-Angebot zuletzt bei 3 Prozent, bei Netflix waren es 20 Prozent. Um wie viel er durch MGM steigen wird, ist noch unklar.

Durch Corona hat Video-Streaming zuhause jedenfalls einen Boom erfahren, weil Kinos pandemiebedingt fast durchwegs geschlossen waren. Zumindest in den USA scheint die Kinobranche mit den jetzigen Öffnungen und fortschreitenden Impfungen aber wieder zu erwachen.

AMC Entertainment beispielsweise, der größte Kinokettenbetreiber im Land, hat in den vergangenen Monaten bei Kapitalerhöhungen rund zwei Milliarden Dollar frisches Geld eingesammelt - unter anderem auch für Zukäufe. "AMC will den Vorteil als Inhaber der Pole-Position nutzen und diese Marktstellung stärken", so Rosen-Philipp.

Der Börsenkurs von AMC hat heuer um mehr als 2.000 Prozent zugelegt. Gepusht haben ihn Privatanleger, die sich im Kampf gegen Hedgefonds wie bei Gamestop in sozialen Netzwerken verabredeten.


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