Neu entflammte Inflationssorgen haben die Anleger an der Wall Street am Freitag vergrault. Nachdem sich der Rauch nach den jüngsten Zinssignalen der US-Notenbank (Fed) eigentlich bereits verzogen hatte, goss Fed-Vertreter James Bullard Öl ins Feuer.

Der Leitindex Dow Jones verlor 1,6 Prozent auf 33.290 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gab 0,9 Prozent auf 14.030 Punkte nach und der breit gefasste S&P 500 büßte 1,3 Prozent auf 4166 Punkte ein. Im Wochenlauf verlor der S&P fast zwei Prozent, der Dow etwa 3,5 Prozent und die Nasdaq grob 0,3 Prozent.

Bullard plädierte für eine Zinswende bereits im kommenden Jahr. Mit dem nach der Corona-Krise einsetzenden Aufschwung seien auch erhöhte Inflationsgefahren verbunden, sagte der Chef des Notenbankbezirks St. Louis dem Fernsehsender CNBC. Zuletzt hatten Signale der Fed für erste Zinsschritte 2023 die Anleger vorsichtiger werden lassen. "Es scheint, dass die Inflation zu einem Problem für die Fed werden könnte", sagte Stratege Rick Meckler vom Vermögensverwalter Cherry Lane Investments. Eine Straffung der Geldpolitik könne den Aufschwung und das Gewinnwachstum der US-Konzerne früher bremsen als von den Anlegern erwartet.

Für größere Kursschwankungen sorgte zudem der große Verfall an den Terminbörsen. Auch in Europa hatten die Kurse heftiger geschwankt als gewöhnlich. Der Dax war 1,8 Prozent tiefer aus dem Handel gegangen.

Chipsektor unter Druck

Bei den Einzelwerten gaben Intel 2,6 Prozent nach. Die Analysten von Jefferies senkten das Kursziel für den Halbleiterhersteller auf 54 von 59 Dollar. Auch die Titel des Chipkonzerns Micron tauchten ab und verloren 4,6 Prozent.

Der Softwareanbieter Adobe überzeugte hingegen mit Quartalsumsatz und Ausblick, die Papiere gewannen 2,6 Prozent. Die Aktien des Waffenherstellers Smith & Wesson schossen nach überraschend starken Quartalszahlen um 17,4 Prozent nach oben. Anlegern gefielen auch der geplante Aktienrückkauf sowie eine Dividendenanhebung.

Ein Rückschlag bei der Zulassung eines Medikaments brockte der dänischen Biotechfirma Orphazyme einen Kurssturz von knapp 50 Prozent ein. Die US-Gesundheitsbehörde FDA will ein Mittel zur Behandlung der seltenen Erbkrankheit Niemann-Pick-Syndrom noch nicht zulassen und fordert Nachweise für die Wirksamkeit. Orphazyme sind seit Anfang Juni Spielball von Kleinanlegern, die sich in Internet-Foren gegenseitig zum Kauf ermuntern.

Rund 47 Prozent aufwärts ging es für Aktien von CAI International. Die im Transport und Logistikgeschäft tätige Firma wird von der japanischen Mitsubishi HC Capital für 1,1 Milliarden Dollar geschluckt. (reuters)