Ab 27. Juli wird im Vatikan die Affäre um finanzielle Investitionen des Staatssekretariats in London vor einem Gericht aufgearbeitet. Fast ein Dutzend Personen, darunter der italienische Kardinal Angelo Becciu sowie einige in der internationalen Finanz Aktive und vier Gesellschaften, müssen sich verantworten. 

Die Eröffnung des Prozesses wurde vom vatikanischen Staatsanwalt Gian Piero Milano am Ende umfangreicher Ermittlungen in dem Fall beantragt. Vor Gericht gestellt werden der frühere Chef der vatikanischen Finanzaufsicht AIF, René Brülhart, dem Amtsmissbrauch vorgeworfen wird, sowie der Ex-AIF-Direktor Tommaso Di Ruzza. Er wird der Geldunterschlagung, des Amtsmissbrauchs und der Verletzung des Amtsgeheimnisses beschuldigt.

Schiefe Optik: Erst vor drei Jahren wurde Angelo Becciu Kardinal - bald danach geriet er ins Visier der vatikanischen Ermittler.  
- © afp / Andreas Solaro

Schiefe Optik: Erst vor drei Jahren wurde Angelo Becciu Kardinal - bald danach geriet er ins Visier der vatikanischen Ermittler. 

- © afp / Andreas Solaro

Der ehemalige Präfekt der vatikanischen Kongregation für Heilig-und Seligsprechungen, Kardinal Becciu, der im September auf Druck von Papst Franziskus zurückgetreten war, muss sich wegen Geldunterschlagung und Amtsmissbrauchs verantworten. Angeklagt ist auch die Expertin in Geopolitik und Becciu-Vertraute Cecilia Marogna.

Vor Gericht wird auch der italienische Investmentbanker Gianluigi Torzi erscheinen müssen. Der 42-Jährige ist eine Schlüsselfigur in einer Investment-Affäre des Vatikans um eine Londoner Immobilie. Der Finanzunternehmer spielte eine zentrale Rolle in einem Immobiliengeschäft, bei dem sich das vatikanische Staatssekretariat verspekulierte und schwere Verluste hinnehmen musste, ging aus den Ermittlungen hervor.

Der Broker gilt als einer der Architekten einer Konstruktion von Fondsgesellschaften, über die das vatikanische Staatssekretariat von 2014 an unterschiedlichen Berichten zufolge rund 350 Millionen Euro in eine Geschäftsimmobilie in der Londoner Sloane Avenue investierte. Teile der Einnahmen Torzis sollen dem Erwerb von Aktien an der Mailänder Börse gedient haben. (apa)