Vier private Raumfahrtunternehmen wollen zukünftig Reisen in den Weltraum anbieten: Space X, Axiom Space, Virgin Galactic und Blue Origin. Der Brite Richard Branson hob bereits am 11. Juli an Bord seiner "VSS Unity" ab. Heute, Dienstag, ist es für Amazon-Gründer Jeff Bezos soweit. Zusammen mit seinem Bruder Mark und einer 82-jährigen ehemaligen US-Pilotin will er ins Weltall fliegen. Der Flug soll elf Minuten dauern und die Kapsel dabei eine Höhe von 100 Kilometern erreichen. Dort hinbringen soll sie die Rakete "New Shepard", benannt nach dem ersten US-Astronauten im All, Alan Shepard. Das Raumschiff gehört der Firma Blue Origin, die Bezos im Jahr 2000 gegründet hat und die künftig suborbitalen Weltraumtourismus anbieten will. Das bedeutet, man fliegt hinauf und gleich wieder zurück, bevor man in eine Erdumlaufbahn eintritt.

Ein dritter Milliardär, der für seine Weltraum-Aktivitäten das Unternehmen Space X gegründet hat, ist Tesla-Chef Elon Musk. Seine Kapseln fliegen noch deutlich höher als die seiner Konkurrenten. Eines Tages will er laut eigenen Angaben auf dem Mars landen.

Lukratives Abenteuer

Wie viel ein Flug ins All kostet, hängt von Fall und Fluggesellschaft ab. Ein Flug bei Bransons Virgin Galactic kostet umgerechnet 211.000 Euro pro Sitzplatz. Blue Origin will nach der Weltraumreise von Bezos Preise bekanntgeben und mit dem Ticketverkauf beginnen. Nach europäischen Standards erreichte Virgin Galactic übrigens bei diesem Abenteuer gar nicht das, was in Europa als "Weltraum" gilt.

Der Leiter des Instituts für Weltraumforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wolfgang Baumjohann, erklärt der "Wiener Zeitung", der eigentliche Weltraum beginne erst ab einer Höhe von 100 Kilometern. Branson flog 80 Kilometer suborbital. "Ich könnte mir vorstellen, dass Bezos nach seinem ersten Versuch Weltumkreisungen anbieten wird", sagt der Grazer Forscher.

Schwerelosigkeit ist auf der Erde aber schon lange zu erleben: In Russland oder in den USA bieten sogenannte Parabelflüge die Möglichkeit, dieses Gefühl nachzuempfinden. Russland bietet auch einen Besuch der ISS International Space Station an, welcher zwischen 20 und 30 Millionen Euro kostet.

Weltraumtourismus befindet sich eher im höheren Segment der Luxus-Destinationen. Zum Vergleich: Eine Kreuzfahrt in die Antarktis kostet bis zu 18.000 Euro, ein Flug um die Welt 70.000 Euro, ein Aufstieg auf den Mount Everest etwa 50.000 Euro - die Grenzen nach oben sind offen. Dass der Flug ins Weltall oder in weiter Zukunft das Hotelzimmer auf dem Mars ein Geschäftsmodell werden könnten, schließt Baumjohann nicht aus. "Das Weltall ist eben faszinierend", sagt der Forscher.

Mit Weltraumtourismus wissenschaftliche Erkenntnisse zu erzielen, erwarte er aber nicht. Für Weltraumforschung wendet die European Space Agency (ESA) heuer 672,1 Millionen Euro auf. Seit 40 Jahren wirkt Österreich in der Europäischen Weltraumorganisation an Entwicklung und Leistungsfähigkeit des europäischen Raumfahrtsektors mit.

Schrauben aus Mondstein

Die Weltraumflüge der Milliardäre kommen bei Klimaschützern nicht gut an. Angesichts der Klimakrise und der ohnehin zu hohen CO2-Emission ist Weltraumtourismus zumindest aus ökologischer Sicht fragwürdig. Der durch die Testflüge angerichtete Schaden falle bisher im Vergleich zu den herkömmlichen Flugemissionen kaum ins Gewicht, sagt Baumjohann. Dahingehend müssen dem Experten zufolge in Zukunft umweltfreundlichere Treibstoffe entwickelt werden.

Auch zahlreiche heimische Unternehmen und Forschungsinstitute sind in der Weltraumindustrie und -forschung tätig. Beispielsweise die Firma Lithoz, die Schrauben und Werkzeug aus künstlichem Mondstaub herstellt, um künftig direkt auf dem Mond mit den dort verfügbaren Ressourcen Infrastruktur zu bauen.

Daneben gibt es eine Reihe weiterer kleiner Betriebe, die Forschungsarbeiten, Tests oder Aufträge für die großen Weltraumorganisationen erledigen. Im Raumfahrtslabor des Wiener Neustädter Unternehmens Fotec werden Energiesysteme für Raumfahrtmissionen entwickelt und getestet. Die Weltraumarchitekten von Liquifer forschen an Wohnprojekten für den Weltraum und an Technologien, die wachsenden Städten und Bevölkerungszahlen Rechnung tragen sollen.