Es hätte mit Abstand Europas größter Immobilienkonzern werden sollen. Doch die Übernahme von Deutsche Wohnen durch die ebenfalls deutsche Vonovia ist gescheitert. Mit einer Andienungsquote von 47,62 Prozent des Grundkapitals der Deutsche Wohnen ist die angestrebte Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent nicht erreicht worden, wie Vonovia am Montag mitteilte.

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Der Übernahmeversuch von Vonovia an Deutsche Wohnen scheiterte abermals. Beide Unternehmen wollen es aber wieder miteinander versuchen.

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Vonovia und Deutsche Wohnen sind die Nummer Eins und Zwei am deutschen Immobilienmarkt. Es war der zweite Fusionsversuch – 2016 wurde eine Mehrheit verfehlt – der beiden Immo-Konzerne, der fehlschlug. Eigentlich wollte Vonovia 50 Prozent plus eine Aktie an Deutsche Wohnen erwerben. Am Ende konnte der Konzern dann nur 47,6 Prozent der Anteile einsammeln und wäre damit nicht Mehrheitseigentümer. Gescheitert ist das Vorhaben ausgerechnet an zwei Tücken des Finanzmarktes.

Gut 20 Prozent der Anteile an Deutsche Wohnen halten Berichten zufolge passive Indexfonds. Sie dürfen ihre Anteilsscheine erst anbieten, wenn der Deal schon perfekt, also besiegelt ist. "In der Tat sind die passiven Gelder und Investoren in der Übernahmesituation ein großes Problem", sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), in einem Interview mit dem deutschen "Handelsblatt".

Hedgefonds verspekuliert

Das andere Problem sei der hohe Anteil an Hedgefonds unter den Anteilshabern der Deutsche Wohnen. Es sollen rund 30 Prozent sein. Sie haben kurz vor der Übernahme auf ein höheres Gebot nach der Besiegelung des Deals gewettet und deshalb ihre Anteile davor nicht angeboten. Dadurch kam aber erst überhaupt kein Deal zustande. Nach dem Platzen sind die Aktienkurse beider Unternehmen stark eingebrochen.

Die Übernahme war angesichts steigender Mieten und Wohnraumknappheit vor allem in Berlin politisch hoch umstritten. Vonovia ist mit einem Börsenwert von 33,8 Milliarden Euro Deutschlands größter Immo-Konzern. Dahinter folgt Deutsche Wohnen mit 15,7 Milliarden Euro, die in Berlin Marktführer ist. Der Zusammenschluss wurde zwar von den deutschen Kartellhütern gebilligt, sorgte aber politisch, bei der Konkurrenz und vor allem bei den Mietern für Unmut, die höhere Mietpreise befürchteten.

Politikum Wohnen

In Berlin muss sich der Stadtsenat nun mit der Petition "Enteignet Deutsche Wohnen" befassen. Beide Firmen mussten im Vorfeld versprechen, die Mieten der dann rund 150.000 Berliner Wohnungen in den ersten drei Jahren nach Übernahme nicht um mehr als ein Prozent und weitere drei Jahre nur im Umfang der Inflation anzuheben. Zudem haben sie der Landesregierung zugesagt, 20.000 Wohnungen zu verkaufen.

Vonovia besitzt in Deutschland, Schweden und Österreich eigenen Angaben zufolge über 400.000 Wohnungen. Im Vorjahr betrugen die Mieteinnahmen 2,29 Milliarden Euro, der Gewinn belief sich auf 1,8 Milliarden Euro. In Österreich gehören die Buwog und Convert zum Vonovia-Konzern. Damit ist er auch hier einer der großen Immobilien-Player. Hierzulande gehören Vonovia 1,645 Millionen Quadratmeter Wohnfläche, vor allem in Wien. Die Mieteinnahmen betrugen demnach 7,9 Millionen Euro. (del)