Europas Banken würden im Fall einer erheblichen wirtschaftlichen Krise fast ein Drittel ihrer Kapitalpuffer einbüßen. Trotzdem wären die Institute nach Einschätzung der Bankenaufseher in der Europäischen Union insgesamt für ein solches Krisenszenario gewappnet. Das geht aus den Daten zum jüngsten Stresstest hervor, die die Europäische Bankenaufsicht EBA am Freitagabend veröffentlichte.


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Europäische Bankenaufsicht (EBA)

Europäische Zentralbank (EZB)

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Zwar würden die Institute in einem hypothetischen Krisenszenario insgesamt fast ein Drittel ihrer Kapitalpuffer einbüßen. Dennoch bliebe der EU-Bankensektor insgesamt über einer Marke von zehn Prozent bei der harten Kernkapitalquote als Puffer für mögliche Rückschläge.

Erste Group rutscht bei Hartem Kernkapital ab

Die österreichische Erste Group ist bei den europaweiten Banken-Stresstests in der Harten Kernkapitalquote (CET 1) auf 10,2 Prozent bezogen auf das Jahresende 2023 abgerutscht. Im Vergleich dazu sei die tatsächliche CET-1-Quote (Basel 3 final) zum Ausgangszeitpunkt Ende 2020 bei 14,2 Prozent gelegen, erklärte das börsennotierte Institut am Freitagabend in Wien.

Insgesamt ändere sich die CET 1-Quote (Basel 3 final) stressbedingt somit um -401 Basispunkte gegenüber einer Veränderung um -450 Basispunkte im EBA-Stresstest 2018, so die Erste Group.

Angemerkt wird von der Erste Group, dass der covidbedingte Ausblick sich im Vergleich zur Situation zu Beginn des Tests deutlich verbessert habe, was dem Basisszenario, in dem die CET1-Quote (Basel 3 final) der Erste Group im letzten Szenario-Jahr 15,4 Prozent erreiche, eine höhere Signifikanz verleihe.

Österreichs Institute im Mittelfeld

Insgesamt zeigten sich die sechs österreichischen Banken, die an den europaweiten Belastungstests von Europäischer Bankenaufsicht (EBA) und Europäischen Zentralbank (EZB) teilgenommen haben, in diesen Simulationen "widerstandsfähig" und landeten "im europäischen Mittelfeld". Das erklärten Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und Finanzmarktaufsicht (FMA) am Freitagabend in einem gemeinsamen Kommentar.

"Alle österreichischen Banken erfüllen auch nach Anwendung des harten Stress-Szenarios die gesetzlichen Kapitalanforderungen", betonen Notenbank und Finanzaufsicht. Der von der Aufsicht vorzeichnete Weg zur Verbesserung der heimischen Banken sei ein richtiger gewesen, das habe die Corona-Pandemie gezeigt. "Um auch für künftige Krisen gewappnet sein, muss dieser Weg fortgesetzt werden", so FMA-Vorstand Helmut Ettl.

Deutsche Banken in Summe schlechter als Durchschnitt

Die sieben deutschen Banken im Stresstest der Bankenaufsicht EBA haben in der Gesamtschau etwas schlechter abgeschnitten als der Durchschnitt in Europa. Am härtesten traf das hypothetische Krisenszenario unter den hiesigen Geldhäusern die Deutsche Bank. Demnach würde die harte Kernkapitalquote des größten deutschen Geldhauses im Fall eines Wirtschaftseinbruchs gepaart mit diversen weiteren Stressfaktoren von gut 13,6 Prozent Ende 2020 auf gut 7,4 Ende 2023 sinken. Kernkapital ist ein Puffer für Krisenzeiten.

"Selbst in einem noch verschärften ungünstigen Szenario beweist die Deutsche Bank ihre Widerstandsfähigkeit in einer möglichen Wirtschaftskrise", kommentierte der Finanzvorstand der Deutschen Bank, James von Moltke. "Das Ergebnis ist auch deshalb ermutigend, weil die im ersten Halbjahr 2021 deutlich gestiegenen Gewinne in diesem Stresstest noch nicht berücksichtigt wurden."

Spielraum für Transformation

Die Commerzbank, die mit 13,2 Prozent Kernkapitalquote in den Test gegangen war, rutschte im Krisenszenario auf 8,2 Prozent ab. Der Frankfurter MDax-Konzern hatte noch vor dem inzwischen laufenden Konzernumbau in der Jahresbilanz 2020 eine Milliardenabschreibung gebucht und mehr Geld für mögliche Rückschläge in der Coronakrise zurückgelegt. "Die Commerzbank hat komfortable Liquiditäts- und Kapitalpuffer. Das gibt uns genügend Spielraum für unsere Transformation", erklärte Risikovorstand Marcus Chromik am Freitag.

Bestes deutsches Institut im EBA-Test war die Volkswagen Bank, die auch im schärfsten Stressszenario noch 15,48 Kernkapitalquote aufwies. Das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank landete mit 10,21 Prozent genau im europäischen Durchschnitt.

Pandemie und Wirtschaftsflaute

Die Aufseher hatten die Geldhäuser auf Basis ihrer Bilanz des Corona-Krisenjahres 2020 durchrechnen lassen, wie stark Kapitalpuffer bis Ende 2023 schrumpfen würden, wenn Pandemie und Wirtschaftsflaute sich zuspitzen würden und die Konjunktur in der EU kumuliert um 3,6 Prozent einbrechen würde.

Zusätzlich wurde in dem als besonders hart geltenden Stresstest ein ganzes Bündel ungünstiger Entwicklungen angenommen: steigende Arbeitslosenquote, Einbruch der Immobilienpreise, stark sinkende Auslandsnachfrage, weiter fallende Marktzinsen.

265 Milliarden Euro Einbußen

In diesem hypothetischen Krisenszenario würde der EU-Bankensektor nach EBA-Berechnungen in Summe 265 Milliarden Euro an Kapitalpuffer einbüßen. Die harte Kernkapitalquote als Puffer für Krisen würde von 15,0 Prozent Ende 2020 auf 10,2 Prozent Ende 2023 sinken.

Die European Banking Authority (EBA) hat 50 Banken aus 15 europäischen Ländern untersucht, die für 70 Prozent des EU-Bankenmarktes stehen. 38 der 50 Institute im EBA-Test sind Banken aus dem Euroraum und fallen somit unter die Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB). Parallel zu dem EBA-Test nahm die EZB-Bankenaufsicht weitere 51 direkt von ihr beaufsichtigte Banken aus dem Euroraum unter die Lupe.

Anstieg von Kreditausfällen

Hauptgrund für das Zusammenschmelzen der Kapitalpuffer in dem hypothetischen Krisenszenario wäre nach EBA-Angaben ein Anstieg von Kreditausfällen. Auch das anhaltende Zinstief lastet auf den Bilanzen. Die EBA wies darauf hin, dass Banken, die vor allem in ihrem Heimatmarkt aktiv sind, im Stressszenario stärker getroffen wurden.

Durchfaller gab es beim diesjährigen Test nicht. Geldhäuser, die schlechter abgeschnitten haben, müssen aber damit rechnen, dass ihnen Aufseher auftragen, Kapitalpuffer zu verstärken, und ihnen für die Ausschüttung von Dividenden Grenzen setzen.

Seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 überprüfen Aufseher weltweit mit solchen Stresstests regelmäßig, wie anfällig Banken im Krisenfall wären. Unumstritten sind solche Tests und die Ableitungen daraus nicht, denn welche Risiken in den hypothetischen Szenarien wie stark gewichtet werden, liegt letztlich in der Hand der Aufseher. 

(apa)