Nach der gescheiterten Übernahme des kleineren Konkurrenten Deutsche Wohnen will der Immobilienkonzern Vonovia die Aktionäre mit einem höheren Angebot doch noch überzeugen. Der Konzern mit Sitz in Bochum unternimmt einen neuen Anlauf und will den Eignern der Deutschen Wohnen 53 Euro je Anteil zahlen und damit einen Euro mehr als zuletzt, wie das Unternehmen in der Nacht zu Montag bekanntgab. Zunächst muss aber die Finanzaufsicht BaFin grünes Licht geben.

Zusammen stehen die beiden DAX-Konzerne weiter hinter dem Vorhaben. "Vonovia und Deutsche Wohnen halten ein Zusammengehen beider Unternehmen weiterhin strategisch und gesellschaftspolitisch für sinnvoll", hieß es in der Mitteilung.

Der Konzern will sein neues Angebot nun "zeitnah" vorlegen, doch dafür wird Vonovia zunächst bei der BaFin um die Aufhebung der einjährigen Sperrfrist bitten müssen. Falls die Behörde zustimmt, hoffen beide Konzerne darauf, den Deal im vierten Quartal über die Bühne zu bringen.

Bafin muss entscheiden

Vonovia rechnete am Montag mit einer raschen Entscheidung der deutschen Finanzaufsicht BaFin zum neuen Übernahme-Offert. "Wir erwarten die Entscheidung der BaFin in dieser Woche", sagte Vonovia-Chef Rolf Buch am Montag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Im Fall einer Freigabe könne die erste Angebotsfrist für das Offert noch im August beginnen. Ergebnisse könnten dann im September vorliegen. Vonovia müsse noch rund 20 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien einsammeln, da man bereits 30 Prozent der Anteile des Konkurrenten halten, um die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent zu erreichen. An dieser war Vonovia zuvor gescheitert.

Mit dem aufgestockten Offert wird das Deutsche-Wohnen-Kapital mit rund 19 Milliarden Euro bewertet. Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia will erneut mindestens die Hälfte der Anteile an der Nummer 2 der Branche erwerben. An dieser Schwelle war Vonovia knapp gescheitert. Im Moment hält Vonovia knapp 30 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien.

Vonovia besitzt (Stand: Ende März) knapp 415.000 Wohnungen, davon gut 354.000 in Deutschland. Damit ist das Unternehmen bereits jetzt Europas größter Wohnungskonzern. Die Deutsche Wohnen wiederum ist der größte Privatvermieter in der Hauptstadt: Rund 114.000 der insgesamt mehr als 155.000 Wohnungen stehen im Großraum Berlin. Das Angebot, dem Land Berlin Wohnungen zu verkaufen und Mieten in der Hauptstadt zu begrenzen, gilt der Deutschen Wohnen zufolge weiter.

Leistbares Wohnen ist Thema

Beide Unternehmen seien sich einig, dass große Herausforderungen wie Klimaschutz, bezahlbares Wohnen und Neubauten sich gemeinsam "wesentlich kraftvoller bewältigen" ließen, hieß es. Auch sei ein Zusammenschluss gleichermaßen von Vorteil für Aktionäre, Mieter und den Wohnungsmarkt. Beide Konzerne erwarten jährliche Einsparungen von 105 Millionen Euro, da die gemeinsame Bewirtschaftung erhebliche Kostenvorteile schaffe. Auch ergänzten sich die Portfolios von Vonovia und Deutsche Wohnen ideal.

Bereits 2016 war Vonovia mit der Übernahme der Deutschen Wohnen gescheitert. Auch damals wurde die Mindestannahmequote für die Milliardenofferte nicht erreicht. Anders als in diesem Jahr hatte damals jedoch der Vorstand der Deutschen Wohnen das Angebot als feindlich eingestuft und sich heftig gegen den Plan gewehrt. (apa)