Der Erfolg des Biopharma-Unternehmens BioNTech mit seinem Corona-Impfstoff schiebt Ökonomen zufolge das Wirtschaftswachstum in Deutschland an. "BioNTech könnte in diesem Jahr rund 0,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen", sagte der Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Auch das Wirtschaftswachstum dürfte dadurch um etwa einen halben Punkt zulegen."

Viele Experten trauen Europas größter Volkswirtschaft heuer ein Wachstum von etwa 4 Prozent zu, wovon etwa ein Achtel allein auf BioNTech entfiel.

"Ich kann mich an keinen Fall erinnern, in dem ein Unternehmen einen solchen Einfluss auf das deutsche BIP hatte", sagte Dullien. Als Makroökonom picke er sich normalerweise keine Unternehmen heraus. "Manchmal gibt es jedoch seltene Fälle, in denen einzelne Unternehmen eine gesamtwirtschaftliche Relevanz haben", sagte der Wissenschafter. "BioNTech ist so ein seltenes Beispiel."

0,5 Prozent vom deutschen BIP

Dulliens Berechnungen basieren auf der am Montag angehobenen Prognose des Unternehmens. Es stellt heuer mit dem Covid-19-Vakzin Verkaufserlöse von 15,9 (bisher: 12,4) Milliarden Euro in Aussicht. Diese entspreche rund einem halben Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP). "Da BioNTech relativ wenige Vorprodukte aus dem Ausland bezieht, ist das eine nahezu reine Wertschöpfung im Inland", sagte der Ökonom. "Das wirkt sich direkt auf das Wirtschaftswachstum aus." BioNTech lässt den auf der neuen mRNA-Technologie basierenden Impfstoff etwa in Marburg produzieren und kassiert außerdem Gebühren von seinem US-Partner Pfizer.

"Die Rechnung ist plausibel", sagte ING-Chefökonom Carsten Brzeski zu Dulliens Kalkulation. "Es gibt nicht viele Unternehmen, die von Null auf Hundert so durchstarten wie BioNTech - und das binnen eines Jahres." Beim gesamtwirtschaftlichen Effekt müsse noch abgezogen werden, wie viel Staatsgeld an das Unternehmen geflossen sei. Zur Beschleunigung der Corona-Impfstoffentwicklung in Deutschland hatte der Bund im vergangenen Jahr bis zu 375 Millionen Euro für BioNTech in Aussicht gestellt.

Erfolg dank Corona-Impfstoff

BioNTech und Pfizer hatten Ende 2020 die erste Zulassung für einen Covid-19-Impfstoff in der EU und in den USA erhalten. "Der Erfolg von BioNTech ist beeindruckend", sagte Dullien. "Es gibt in Deutschland eine hervorragende Forschungslandschaft, die Potenzial für die Zukunft hat." Das Geschäft mit dem Vakzin beflügelte das Mainzer Unternehmen: Im zweiten Quartal setzte BioNTech dank des Impfstoffs-Geschäfts 5,31 Mrd. Euro um, nach lediglich 41,7 Mio. Euro im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn betrug 2,79 Mrd. Euro, nach einem Verlust von 88,3 Millionen ein Jahr zuvor. (apa, reuters)