Das Flaggschiff Volkswagen hat der von den VW-Eignerfamilien Porsche und Piech kontrollierten Gesellschaft Porsche SE (PSE) im ersten Halbjahr 2021 einen üppigen Gewinn beschert. Das Konzernergebnis der VW-Dachgesellschaft belaufe sich nach Steuern auf 2,46 Milliarden Euro, teilte der Konzern am Dienstag mit. Noch im Vorjahreszeitraum erzielte das Unternehmen einen Verlust von 329 Millionen Euro. Damals ließ die Corona-Pandemie den Automarkt einbrechen.

Das Geschäft der PSE ist stark von der Entwicklung des VW-Konzerns abhängig. Sie hält gut 53 Prozent der Stammaktien von Volkswagen. PSE meldete für das erste Halbjahr ein Rekordbetriebsergebnis sowie einen Nettogewinn nach Minderheiten von 8,1 Milliarden Euro. In Anbetracht der guten Halbjahresergebnisse, wird auch für das Gesamtjahr ein höherer Gewinn erwartet. Vonseiten der Holding hieß es, dass dieser zwischen 3,4 und 4,9 Milliarden Euro betragen würde. Vor der Aktualisierung der Prognose Ende Juli, war das Management von 2,6 bis 4,1 Milliarden Euro ausgegangen.

Emissions- und fleischfrei

Das gute Ergebnis ist auch den jüngsten Bemühungen des Konzerns, grüner zu werden, zu verdanken. Dazu soll vor allem die 35 Milliarden Euro schwere Elektro-Offensive des Unternehmens beitragen. Bis 2050 will der Konzern bilanziell CO2-neutral werden. Der Verkauf von E-Autos könne in den nächsten Jahren vergleichbare Renditen einfahren wie herkömmliche Verbrenner-Motoren. Dadurch würden E-Autos auch deutlich günstiger als Verbrenner werden, hieß es bei der virtuellen Hauptversammlung im vergangenen Juli. Die Finanzierung des Wandels hin zur E-Mobilität will Volkswagen selbst stemmen. "Wir werden weiterhin hohe Cashflows erwirtschaften, um die Transformation zu finanzieren", sagte der Vorstandsvorsitzende Herbert Diess gegenüber den Aktionären. Im Jahr 2025 will die Marke Volkswagen weltweit mehr als eine Million E-Autos pro Jahr verkaufen. Die Entwicklung hin zu reinen Elektroautos zeigt sich auch bei den Auslieferungszahlen von E-Modellen.

Im ersten Halbjahr 2021 lieferte Volkswagen 170.939 Elektroautos mit Batterie (BEV) aus. Das seien mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich dieser Trend im Jahresverlauf fortsetzt. Die meisten BEV-Auslieferungen gingen im ersten Halbjahr nach Europa, hier war Volkswagen mit einem BEV-Marktanteil von 26 Prozent Marktführer, wie aus einer Pressemitteilung vom 21. Juli hervorgeht. Etwas mehr als die Hälfte der weltweiten BEV-Auslieferungen bis Ende Juni gehörten zur Kernmarke Volkswagen. Bis 2030 will VW als Konzern markenunabhängig 70 reine E-Modelle auf den Markt bringen.

Doch auch Volkswagen war von den Lieferengpässen bei Halbleitern betroffen, besonders in China. Allerdings rechnet das Unternehmen mit einer baldigen Entspannung des Chipmangels. Wenn nicht neues Unheil drohe, werde man bei der Marke VW gegen Ende des dritten Quartals in Richtung einer bedarfsgerechten Versorgung kommen, so VW-China-Chef Stephan Wöllenstein bei einer Telefonkonferenz im Juli.

Grüner wird auch das Essen bei VW. Die Volkswagen-Kantine am Standort Wolfsberg wird bald nur mehr fleischlose Gerichte servieren. Das sei der Wunsch vieler Mitarbeiter, aber auch ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit.

Mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie versucht der Konzern auch, den Imageschaden durch den milliardenschweren Dieselskandal loszuwerden. 2015 wurde bekannt, dass VW eine illegale Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung seiner Diesel-Fahrzeuge eingesetzt hatte, um Abgaswerte zu manipulieren. Als Folge des Skandals trat der damalige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn zurück.

Alternative Antriebe im Plus

Laut Statistik Austria stieg im Juli die Zahl der neuzugelassenen Personenkraftwagen mit Elektroantrieb (+87 Prozent), Diesel-Hybridantrieb (+67,3 Prozent) und Benzin-Hybridantrieb (+55,2 Prozent) weiter an. Damit erreichten alternative Antriebsformen einen Anteil von 35,6 Prozent bei den Neuzulassungen. Insgesamt gab es im Vormonat um ein Fünftel weniger Pkw-Neuzulassungen. In absoluten Zahlen sind das um 4.882 weniger als im Juli 2020. Die Neuzulassungen von dieselbetriebenen Pkw ging um 47,5 Prozent zurück, die von benzinbetriebenen um 28,5 Prozent.