Veggie-Burger oder fleischfreie Grillwürstel auf Basis von Soja, Erbsen oder Pilzen sind nicht jedermanns Sache, erfreuen sich aber steigender Beliebtheit. Das merkt man am wachsenden Angebot in der Gastronomie und im Lebensmittelhandel. Auf Fleisch zu verzichten, hat für viele Menschen nicht ausschließlich mit der Liebe zu Tieren oder dem Bestreben, sich gesünder zu ernähren, zu tun. Die Produktion von Fleisch verursacht ein Vielfaches mehr an CO2-Emissionen als der Anbau von Pflanzen. Vor dem Hintergrund der bedrohlichen Zukunftsszenarien, die der Weltklimarat IPCC zeichnet, rückt auch die Frage, ob reduzierter Fleischkonsum einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, in den Fokus. Verstörende Bilder von den Zuständen in Schlachthöfen tun ein Übriges dazu.

Gemüse als Fleischersatz zu verwenden, ist keine moderne Erfindung. Soja, Seitan und Tofu werden schon seit Jahrhunderten als alternative Proteinquellen genutzt. In China soll schon im Mittelalter Fleisch in Gerichten durch Gemüse ersetzt worden sein. Der Markt für vegetarische oder vegane Fleischersatzprodukte ist zwar im Vergleich zur Fleischproduktion immer noch überschaubar, wächst aber kräftig.

Vielfältiges Angebot

Immer mehr Unternehmen sind auf den Veggie-Zug aufgesprungen - auch traditionelle Fleischkonzerne wie Tyson Foods (USA) oder Tönnies (Deutschland), die ihre Sortimente entsprechend erweiterten. Doch die bunte Vielfalt entstand durch zahlreiche innovative Start-ups, die es schafften, Investoren von ihren Ideen zu überzeugen und Kapital einzusammeln, um neue Produkte zu entwickeln, Produktionsstätten zu eröffnen und expandieren zu können.

Die Start-up-Phase längst hinter sich gebracht hat das US-Unternehmen Beyond Meat mit Sitz im kalifornischen El Segundo, der weltweit wohl bekannteste Hersteller von Fleischersatzprodukten. Seit Juni 2020 lässt das Unternehmen auch in Europa produzieren. In der Anlage der Partnerfirma Zanbergen im niederländischen Zoeterwoude werden vegane Burger und Würste auf Erbsenbasis hergestellt.

Als erster rein pflanzlicher Lebensmittelhersteller der Welt ging Beyond Meat im Jahr 2019 an die Börse und sammelte 241 Millionen Dollar bei Anlegern ein. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates, der in seinem jüngsten Buch "How to avoid a climate disaster" zum Missfallen der Fleischindustrie zum Fleischverzicht aufruft, und Schauspieler Leonardo DiCaprio investierten in den Kunstfleischhersteller.

Der Ausgabepreis der Aktie lag bei 25 Dollar, derzeit notiert sie bei rund 125 Dollar. Das Unternehmen wird an der Börse mit rund sieben Milliarden Dollar bewertet. Gewinne hat es noch keine geschrieben, doch die Entwicklung der Umsätze kann sich sehen lassen: Sie stiegen im Jahr 2020 um 37 Prozent auf 406 Millionen Dollar.

Analysten der britischen Barclays-Bank wagten anlässlich des IPOs von Beyond Meat eine kühne Prognose für den weltweiten Fleischersatz-Markt. Innerhalb von zehn Jahren, also bis 2029, könnte sich dieser auf 140 Milliarden Dollar verzehnfachen, hieß es. Die Branche weise Parallelen zur Elektroauto-Industrie auf, die ihrerseits das traditionelle Autogeschäft durchschütteln dürfte, so die Analysten. Er sei überzeugt, dass sich Beyond Meat langfristig zu einem globalen Proteinunternehmen mit einem Umsatz von 40 Milliarden Dollar entwickeln könne, zeigte sich Chief Growth Officer Chuck Muth im Mai gegenüber dem "Handelsblatt" zuversichtlich.

Nicht nur Katy Perry steht auf "unmögliche Burger"

In Kalifornien liegt auch der Firmensitz von Impossible Foods. Der schärfste Rivale von Beyond Meat weist ebenfalls eine hohe Promi-Dichte unter den Geldgebern auf. So investierten Tennis-Ass Serena Williams und Popstar Katy Perry, beide bekennende Veganerinnen, in das Unternehmen, das mit seinem "Impossible Burger" viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Zudem verdichten sich Gerüchte über einen bevorstehenden Börsengang.

Laut Reuters könnte das Going Public auf dem konventionellen Weg oder über ein SPAC (Special Purpose Acquisition Company) erfolgen. Bei SPACs handelt es sich um leere Firmenmäntel, die ihre Aktien als eine Art Platzhalter listen, um später mit Firmen verschmolzen zu werden und diese so durch die Hintertür an die Börse zu holen. Der Marktwert der Impossible Foods Inc., die 2011 von Biochemiker Pat Brown ins Leben gerufen wurde, wird auf rund 10 Milliarden Dollar geschätzt.

Mit 1,5 Milliarden Dollar wird das 2015 gegründete chilenische Start-up NotCo bewertet, das neben Pflanzendrinks und -desserts auch vegane Fleischersatzprodukte herstellt. Der Einhorn-Status für einen Börsengang wäre somit erreicht.

NotCo sammelte zuletzt im September des Vorjahres 85 Millionen Dollar bei Investoren ein. Nun folgte eine zweite Finanzierungsrunde, die 235 Millionen Dollar in die Kassen spülte. Zu den Geldgebern gehörten dieses Mal auch berühmte Sportler wie Lewis Hamilton, der sich seit einigen Jahren vegan ernährt, und Tennisprofi Roger Federer. Letzterer ist Teilhaber und Markenbotschafter des Schweizer Sportschuhherstellers On. Resultat seines finanziellen Engagements ist der Sneaker "The Roger", der ohne Material aus tierischer Herkunft hergestellt wird.

Außerhalb Australiens noch wenig bekannt ist das im Oktober 2019 gegründete Unternehmen v2food. Dessen Motto lautet: "Wir machen eine Version 2 von Fleisch, weil es von der Erde keine Version 2 gibt." Bisher standen die Märkte Neuseeland, Thailand, die Philippinen, Japan und Korea im Fokus. In zwei Finanzierungsrunden hat v2food bisher bereits 138 Millionen Dollar aufgebracht. Das Unternehmen wird von Nick Hazell, dem ehemaligen Forschungsdirektor von Masterfoods und PepsiCo, geleitet. Der Unternehmenswert sei in nur zweieinhalb Jahren von zwei Millionen Dollar auf über 500 Millionen US-Dollar gestiegen, heißt es laut Wirtschaftsmagazin "vegconomist", das rund um das Thema Veganismus berichtet.