Reduzieren, wiederverwenden, wiederverwerten: Mit diesem Grundsatz will Celina Benda einen persönlichen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten. Dafür nutzt die 21-jährige Studentin auch Online-Händler wie Rebuy oder Momox. Diese Unternehmen sind seit mehr als zehn Jahren auf den An- und Verkauf von Gebrauchtwaren wie etwa Bücher, CDs, DVDs, Kleidung oder Elektronikartikel spezialisiert.

Damit scheinen sie geschäftlich gut unterwegs zu sein. Die deutsche Firma Momox verzeichnete im Corona-Jahr 2020 einen Rekordumsatz von 312 Millionen Euro. Verglichen mit dem Jahr davor entsprach das einem Wachstum von 25 Prozent. Eigenen Angaben zufolge hat Momox seit der Gründung 2006 mehr als 250 Millionen Artikel an- und weiterverkauft. Auch ihr deutscher Konkurrent Rebuy fuhr im Vorjahr ein Umsatzplus von 23 Prozent ein, gibt weitere Zahlen aber nicht bekannt.

Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Davon profitiert auch der Verkauf gebrauchter Ware. 
- © Rebuy Recommerce

Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Davon profitiert auch der Verkauf gebrauchter Ware.

- © Rebuy Recommerce

Anschub durch Pandemie

Das Geschäftsmodell hat sich mittlerweile über verschiedene Branchen ausgebreitet. So bieten inzwischen auch Online-Größen wie Zalando oder "About you" mit Kategorien wie "pre-owned" oder "second love" gebrauchte Textilien an. Konzernen wie H&M oder Ikea wird häufig vorgeworfen, die Entwicklung einer Wegwerfgesellschaft anzutreiben. Dem treten sie mit Recommerce-Services entgegen und wollen damit auch ihr Image aufpolieren.

Die österreichische Online-Plattform Willhaben verzeichnete dank der Corona-Pandemie einen starken Nutzungszuwachs. Der "Marktplatz" sei ein Publikumsmagnet und generiere "enormen Traffic auf der Webseite", so das Unternehmen. Da der Handel direkt zwischen Verkäufer und Käufer erfolgt, gebe es keine Daten zu den abgewickelten Transaktionen. Auf der Plattform würden Waren aller Art angeboten, die Nachfrage variiere nach Saison. Willhaben ist einer der meistgenutzten Online-Dienste in Österreich, monatlich werde die Website knapp zwei Milliarden Mal aufgerufen.

Wie funktioniert Recommerce?

Vom "Flohmarkt 2.0" sollen alle Beteiligten profitieren. Ein Verkäufer wird sein einmal gelesenes Buch los, der Zwischenhändler nimmt die Rolle des Marktplatzhändlers ein, und Celina kann das Buch günstiger und ressourcenschonend erwerben. Die Studentin erwirbt allerdings nicht nur Bücher gebraucht, wie sie erzählt. Auch Kleidung, Möbel und Dekoration schafft sie aus zweiter Hand an. "Neu kaufe ich eigentlich nur Unterwäsche, Socken und bestimmte Dinge, die ich nicht ,second hand‘ bekomme, zum Beispiel ein bestimmtes Buch für eine Vorlesung", sagt sie.

Wichtige Faktoren für einen Kauf sind vor allem der Zustand der Ware, die Garantiebedingungen und die Qualität, wie eine Studie der Statistikdatenbank Statista aufzeigt. Momox kauft gebrauchte Ware ausschließlich bei Privatpersonen an. Dies geschieht über die Homepage oder eine App. Entspricht der Artikel den Ankaufsbedingungen, muss man noch einige Angaben zur Ware (etwa den ISBN-Code bei Büchern) machen und erhält im nächsten Schritt ein fixes Angebot für den Ankauf. Das Paket wird anschließend kostenfrei an den Zwischenhändler gesendet, der den Artikel kontrolliert und den Ankauf abschließt. So kann die Qualität der Ware sichergestellt werden. Für den weiteren Verkauf hat Momox einen Algorithmus entwickelt, der die Preise berechnet. Laut dem Unternehmen werden dabei Faktoren wie die aktuelle Nachfrage, Saisonalität oder auch das Gewicht berücksichtigt.

Der Studentin Celina zufolge funktioniert das in den meisten Fällen: "Schwierigkeiten hatte ich eigentlich noch nie. Einmal habe ich ein beschriebenes Buch erhalten, da wurde anscheinend nicht genau genug kontrolliert. Nach einer Mail habe ich das Geld und die Versandkosten zurückerstattet bekommen."

"Vor allem bei Jüngeren beliebt"

Besonders das zunehmende Bewusstsein für Nachhaltigkeit, vor allem bei jüngeren Generationen, befeuert den Erfolg dieser Modelle. Das ist ein Trend, den auch Momox beobachtet: "Kleidung aus zweiter Hand ist vor allem bei Jüngeren beliebt. Wir sprechen von der Generation Z und Y, also den 16- bis 24-Jährigen und den 25- bis 34-Jährigen." 63 beziehungsweise 64 Prozent in diesen Altersgruppen hätten bereits gebrauchte Textilien erworben, heißt es bei Momox. Bei gebrauchten Büchern und Medienartikeln seien die Generationen Z und Y mit 81 Prozent beziehungsweise 80 Prozent dabei.

Offenbar hat leichtfertige Ressourcenverschwendung im heutigen Wertekanon vieler junger Menschen keinen Platz. Mit dem Kauf gebrauchter Ware werden Energie, Wasser und andere Rohstoffe geschont. "Außerdem finde ich das Gefühl cool, dass ich etwas besitze, das möglicherweise schon eine lange Vorgeschichte hatte. Zusätzlich tut es auch meiner Geldtasche als Studentin sehr gut", meint Celina.