Die Coronakrise hat im ersten Halbjahr ein riesiges Loch im deutschen Staatshaushalt hinterlassen. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung gaben bis Ende Juni zusammen 80,9 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Das Defizit entspricht 4,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. "Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie belasten die Staatsfinanzen weiterhin stark", sagte Stefan Hauf vom Statistikamt.

"Sie haben zum zweithöchsten Defizit in einer ersten Jahreshälfte seit der deutschen Vereinigung im Jahr 1991 geführt." Ein größeres Minus gab es nur im ersten Halbjahr 1995, als die Schulden der Treuhandanstalt zur Privatisierung von DDR-Staatsbetrieben in das Staatsbudget übernommen wurden.

Die Ausgaben des Staates erhöhten sich wegen der Hilfen zur Bewältigung der Krise bis Jahresmitte um 6,9 Prozent auf 879,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig legten die Einnahmen, etwa aus Steuern, nur um 3,1 Prozent auf 798,3 Milliarden Euro zu. Alle staatlichen Ebenen wiesen ein Finanzierungsdefizit auf. Das größte Minus ergab sich beim Bund mit 67,0 Milliarden Euro, das damit mehr als doppelt so hoch ausfiel wie im Vorjahreszeitraum (26,9 Milliarden Euro).

Staatskasse bleibt tiefrot

Auch im Gesamtjahr dürfte der deutsche Staat wie schon 2020 tiefrote Zahlen schreiben, nachdem zuvor jahrelang ein Überschuss gelungen war. Die deutsche Bundesbank rechnet mit einem Defizit von mehr als fünf Prozent. 2022 erwartet sie aber einen deutlichen Rückgang. "Bei fortgesetzter Wirtschaftserholung können coronabedingte Ausgaben wie staatliche Überbrückungshilfen an Unternehmen auslaufen", erklärte sie in ihrem Monatsbericht. Zudem dürften Steuern und Sozialbeiträge kräftiger fließen. "Die Staatsfinanzen erholen sich insoweit automatisch", so die Bundesbank. Die Defizitquote könnte somit im kommenden Jahr auf etwa 1,5 Prozent fallen. (apa, reuters)