Immer wieder war es das alljährliche internationale Symposium der Notenbanken in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming, das der Finanzwelt den einen oder anderen Anhaltspunkt zur künftigen Geldpolitik der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) liefern konnte. Auch heuer sind wohl interessante Aufschlüsse zu den weiteren Aktivitäten der Fed, die am globalen Finanzmarkt nach wie vor als Taktgeber gilt, zu erwarten. Und deshalb blickt die Finanzwelt auch so gebannt auf diese Konferenz.

Vor allem der Rede von US-Notenbankchef Jerome Powell wird mit besonderer Spannung entgegengesehen. Bekannt ist nur, dass sie sich mit dem Ausblick auf die Konjunktur beschäftigen soll. Jedenfalls erhoffen sich Investoren und andere Marktteilnehmer Hinweise von Powell, wann die US-Notenbank damit beginnen wird, ihre umfangreichen Konjunkturhilfen herunterzufahren. In der Vergangenheit nutzten Währungshüter das Treffen häufig als Forum, um wichtige geldpolitische Weichenstellungen vorzubereiten.

Indes wird die von der Federal Reserve Bank of Kansas City organisierte Konferenz auch heuer nur virtuell und statt wie sonst an drei Tagen nur an einem, dem heutigen Freitag, abgehalten werden. Grund ist die sich ausbreitende Delta-Variante.

Zurückfahren der Krisenhilfen scheint bereits fix zu sein

Noch stützt die amerikanische Notenbank die von der Corona-Krise gebeutelte US-Wirtschaft unter anderem mit monatlichen Anleihekäufen von 120 Milliarden Dollar, umgerechnet gut 102 Milliarden Euro. Innerhalb der Fed ist die Debatte über ein Abschmelzen der Käufe - im Fachjargon Tapering genannt - aber schon weit fortgeschritten, wie aus dem Protokoll der Juli-Zinssitzung hervorgeht. Allerdings wurden dabei auch die Differenzen unter den Dollar-Wächtern deutlich, was das beste Tempo eines solchen Ausstiegs betrifft.

Angesichts der Erholung der US-Wirtschaft, die sich auch in einer kräftig gestiegenen Inflation zeigt, ist der Abschied von den Krisenhilfen für die meisten Finanzmarktexperten bereits eine ausgemachte Sache. "Aus zahlreichen öffentlichen Äußerungen der Fed-Mitglieder geht eine klare Präferenz hervor, den Tapering-Beschluss im vierten Quartal zu treffen und die Käufe gegen Jahresmitte 2022 zu beenden", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Bernd Weidensteiner, einen Ökonomen der deutschen Commerzbank.

Dies wäre ein schnelleres Tapering als im Jahr 2013/14. Die US-Notenbank hatte damals die erste Reduzierung von Anleihekäufen im Dezember 2013 angekündigt, im Oktober 2014 waren die Käufe dann ganz eingestellt worden. "Jetzt gedenkt man offenbar, das aktuelle Kauftempo von 120 Milliarden Dollar je Monat (2013 wurden 85 Milliarden Dollar pro Monat gekauft, Anm.) in etwa sechs Monaten auf null zu fahren", meint Weidensteiner gegenüber Reuters.

Auch Hinweise für Zeitplan auf erste Leitzinserhöhungen?

Auch Felix Düregger - er ist leitender Asset-Manager der Schoellerbank, einer Tochter der Bank Austria - hält ein Tapering zum Jahreswechsel für wahrscheinlich. Auf diesen Zeitpunkt habe die US-Notenbank die Märkte verbal bereits seit Monaten vorbereitet, was sie bisher auch gut "verdaut" hätten.

"Jetzt wird es interessant, ob Aussagen von Notenbankern diesen Termin bestätigen und dabei vielleicht noch neue Maßnahmen ankündigen", schreibt Düregger in einem Analysebrief der Schoellerbank. So seien etwa Aussagen zu relevanten US-Arbeitsmarktdaten seitens der Fed zuletzt eher etwas vage - nur flüchtig angedeutet - geblieben. Auch Hinweise auf einen Zeitplan für erste Leitzinserhöhungen, die aktuelle Analystenprognosen erst zum Jahreswechsel 2022/23 sehen, erwartet sich Düregger von Jackson Hole. Zumal die Inflation in den USA zuletzt stark angestiegen sei und inzwischen mehr als fünf Prozent betrage. "Die Anzeichen mehren sich, dass diese Entwicklung nachhaltiger sein könnte als zunächst von manchen Marktbeobachtern angenommen", betont Düregger.

Gravierende Unstimmigkeiten wegen neuen EZB-Zinsausblicks

Abseits der USA hat es beim jüngsten Zinsmeeting der Europäischen Zentralbank (EZB), wie erst jetzt bekannt wurde, starke Differenzen über den neuen Zinsausblick gegeben. Selbst nach intensiver Debatte und Änderungen am ursprünglichen Vorschlag trugen nicht alle Euro-Wächter die schließlich gefundene Formulierung mit, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll der Sitzung vom 22. Juli hervorgeht. Es waren die bisher gravierendsten Unstimmigkeiten unter den Währungshütern in der bisherigen Amtszeit von EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Die Neuformulierung des Zinsausblicks war notwendig geworden, weil sich die EZB ein neues Inflationsziel von glatt zwei Prozent gesetzt hatte. Zuvor hatte es auf unter, aber nahe zwei Prozent gelautet. Die EZB will laut dem geänderten Ausblick ihre Leitzinsen solange auf dem aktuellen oder einem noch tieferen Niveau halten, bis zu sehen ist, dass die Inflation zwei Prozent erreicht und dann erst einmal so bleibt. Das könnte auch eine Übergangszeit von Inflationsraten moderat über zwei Prozent beinhalten.

Im Übrigen wird EZB-Chefin Lagarde am diesjährigen Strategietreffen der Zentralbanken, das seit 1982 in Jackson Hole stattfindet, nicht teilnehmen. Das hatte die EZB bereits im Vorfeld bekanntgegeben. (kle)