Der Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer soll bald erstmals auch in Südamerika direkt hergestellt werden. Das Mainzer Unternehmen und sein US-Partner kündigten am Donnerstag eine Zusammenarbeit mit der brasilianischen Pharmafirma Eurofarma zur Herstellung und Auslieferung des Vakzins in Lateinamerika an. Eurofarma soll den Impfstoff von Werken in den USA beziehen und mit der Herstellung der lieferfertigen Dosen im kommenden Jahr beginnen. Bei voller Betriebsleistung soll die jährliche Produktionskapazität mehr als 100 Millionen Dosen umfassen. Diese seien ausschließlich für den lateinamerikanischen Markt bestimmt.

"Unsere neue Partnerschaft mit Eurofarma erweitert unser globales Produktions- und Liefernetzwerk um eine weitere Region und hilft uns, weiterhin einen fairen und gerechten Zugang zu unserem Covid-19-Impfstoff zu gewährleisten. Wir werden auch weiterhin Möglichkeiten wie diese prüfen und umsetzen, um sicherzustellen, dass unser Impfstoff alle Menschen, die ihn benötigen, erreicht", erklärte Pfizer-Chef Albert Bourla. Das weltweite Netzwerk der beiden Unternehmen umfasst damit nun vier Kontinente sowie mehr als 20 Produktionsstätten.

Globale Impfstoffproduktion

Im Juli hatten Biontech und Pfizer eine Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen Biotechunternehmen Biovac vereinbart, das damit der erste Partner in Afrika war. Die Herstellung dort soll auch im kommenden Jahr beginnen. In Asien soll der Impfstoff ab 2023 in einer neuen Produktionsstätte von Biontech in Singapur hergestellt werden. Bisher wird das Vakzin nur in Europa und Nordamerika produziert. "Die heutige Partnerschaft ist ein wichtiger Schritt, um den Zugang zu Impfstoffen in Lateinamerika und darüber hinaus durch ein wachsendes Produktionsnetzwerk zu erweitern", sagte Biontech-Chef Ugur Sahin. Die beiden Unternehmen haben zugesagt, in diesem und im kommenden Jahr je eine Milliarde Impfstoffdosen für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen bereitzustellen.

Auch Produktion von anderen mRNA-Impfstoffen in Afrika möglich

BioNTech prüft außerdem den Aufbau einer Impfstoffproduktion in Ruanda und im Senegal. Dort könnten dann mRNA-Impfstoffe des Unternehmens gegen Malaria und Tuberkulose, die sich gegenwärtig noch in der Entwicklung befinden, hergestellt werden, teilte Biontech am Freitag mit. Die Ankündigung folgt einem Treffen von Vorstandschef Ugur Sahin mit den Präsidenten von Ruanda und Senegal, Paul Kagame und Macky Sall, sowie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Berlin. "Unser Ziel ist es, in Afrika Impfstoffe zu entwickeln und nachhaltige Produktionskapazitäten für Impfstoffe aufzubauen, um gemeinsam die medizinische Versorgung zu verbessern", erklärte Sahin. Biontech hatte im Juli angekündigt, die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Malaria anzustreben und den Aufbau einer mRNA-Impfstoffproduktion auf dem afrikanischen Kontinent zu planen.