Die heute startende Internationale Automobilausstellung IAA in München muss sich dieses Jahr quasi neu erfinden. Dazu passend hat man ein Konzept gewählt, das nicht mehr nur Autos, sondern sämtliche Verkehrsträger einbeziehen soll sowie die Klimaneutralität in den Vordergrund stellt. Das Ganze firmiert unter dem Namen "IAA Mobility".

Trotz Aufbruchsstimmung ist die Lage nicht einfach, da wichtige Hersteller wie Toyota und Stellantis nicht teilnehmen. Zudem sehen Klimaaktivisten in der IAA eine Autoschau mit "grünem Deckmantel" und wollen kommenden Samstag dagegen mit mehreren zehntausend Teilnehmern demonstrieren.

Angesichts der Maßnahmen rund um die Corona-Pandemie findet die Messe nicht nur auf dem Messegelände statt. An über die Stadt München verstreuten Orten werden Autos präsentiert. Die Besucher können erstmals auf einer IAA rund 250 neue Fahrzeuge auf Straßen und einem Autobahnabschnitt zwischen der Stadt und dem Messegelände probeweise fahren, darunter auch Wasserstoff-Autos sowie hochautomatisierte Fahrzeuge. Zusätzlich sind 70 Fahrradhersteller auf der IAA vertreten, somit können dort auch Fahrräder und E-Scooter getestet werden.

Chipmangel bremst Branche

Die Branche kämpft jedoch mit dem aktuellen Chipmangel. Wichtige elektronische Bauteile fehlen, die Hersteller müssen die Produktion immer wieder unterbrechen, trotz voller Auftragsbücher. Schon im ersten Halbjahr seien vier Millionen Autos weniger gebaut worden als geplant, schätzt die deutsche Unternehmensberatung PwC. Volkswagen lag demnach 21 Prozent unter Plan, Ford 18 Prozent, Stellantis 15 Prozent, General Motors 12 Prozent, Daimler 2 Prozent. BMW trifft es erst jetzt.

Die Folgen zeigen sich bereits: Während der Auftragseingang nach Branchenangaben innerhalb Deutschlands um acht Prozent zulegte, sank die Produktion um ein Drittel. Im August kamen nur gut 193.000 Neuwagen auf deutsche Straßen, 23 Prozent weniger als im Vorjahr, so das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt am Freitag.

Unter den deutschen Herstellern verbuchte vergangenen Monat lediglich die zum neuen Stellantis-Konzern gehörende Marke Opel ein Absatzplus. Bei Mercedes, Volkswagen und BMW schrumpften die Neuzulassungen teils deutlich.

Während Autos mit Verbrennungsmotoren zurückfielen, blieb jedoch die Nachfrage nach E-Fahrzeugen hoch. Allerdings waren die Wachstumsraten deutlich niedriger als noch vor einigen Monaten. Der Absatz batteriegetriebener Fahrzeuge kletterte um rund 80 Prozent auf 28.860 Einheiten. Bei Plug-in-Hybriden, stieg er um 43 Prozent auf knapp 24.500 Stück. Insgesamt lag der Elektro-Anteil an Neuzulassungen bei 27,6 Prozent. Damit wurde der bisherige Höchstwert von Dezember deutlich übertroffen, so der Verband der Automobilindustrie.

Krisengewinner Bosch

Dementsprechend positiv gestaltet sich die Lage beim weltweit größten Automobilzulieferer Bosch: In der Hauptsparte "Mobility Solutions" werde sich der Erlös heuer um 10 Prozent steigern, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner am Montag. Die steigende Nachfrage nach Teilen und Systemen für Elektromobilität und automatisiertes Fahren sorge hier für Wachstum.

Mit Technik für Elektroautos werde Bosch im laufenden Jahr eine Milliarde Euro erlösen, so Denner. Bis 2025 soll sich der Umsatz verfünffachen. Das Hauptgeschäftsfeld erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 42,1 Milliarden Euro, das sind 59 Prozent des Gesamtumsatzes.

Auto-Abos bei VW

Indessen gab der Volkswagen-Konzern bekannt, Abo-Modelle für Autos zu einer wichtigen Säule neben Leasing und Kreditfinanzierung ausbauen zu wollen. Die "Haltedauer" für Fahrzeuge verkürze sich, die Kunden wollten flexibler sein und häufiger das Fahrzeug wechseln, meint der Digitalchef von Volkswagen Financial Services (VWFS), Stefan Imme, vor Beginn der IAA. Er hofft auf Kennenlern- und Gewöhnungseffekte. Die Finanzsparte des VW-Konzerns engagiert sich zudem bei Digitalprojekten wie der Abrechnung von Funktionen für autonomes Fahren, bietet Versicherungs-, Wartungs- oder Tank- und Ladedienste an.(red.)