Die Europäische Zentralbank (EZB) drosselt bei den Notfallhilfen für die sich aus der Viruskrise lösende Wirtschaft das Tempo. Die Eurowächter um Notenbank-Chefin Christine Lagarde beschlossen am Donnerstag, die Anleihenkäufe im Rahmen ihres "PEPP" getauften Notfall-Programms gegenüber den vorangegangenen beiden Quartalen moderat zu verringern. Günstige Finanzierungsbedingungen könnten auch damit bewahrt werden.

Die EZB stellte zudem in Aussicht, nötigenfalls alle Instrumente anzupassen, damit sich die Inflation im Euroraum mittelfristig bei der Notenbank-Zielmarke von zwei Prozent stabilisiert.

Strafzins bleibt

Ihren Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld beließ die EZB auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Dort liegt er bereits seit März 2016. Der Einlagesatz bleibt bei minus 0,5 Prozent. Die Geldhäuser müssen daher weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken.

Ökonomen äußerten sich in ersten Reaktionen positiv. "Es ist gut, dass sich der EZB-Rat bewegt und einen allerersten Trippelschritt auf dem langen Weg zu einem Ende der Anleihekäufe unternimmt", sagte Friedrich Heinemann vom Forschungsinstitut ZEW. "Ein einfaches 'Weiter so' würde der Reputation der EZB schaden." Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe merkte an, die EZB werde "weniger peppig". Ein Ende der Käufe sei aber noch nicht in Sicht. Frühestens auf der Oktober-Sitzung werde der EZB-Rat entscheiden, ob das PEPP verlängert beziehungsweise aufgestockt oder in anderen Kaufprogrammen aufgehen werde.

Die Währungshüter hatten bisher im Vergleich zu den Anfangsmonaten des Jahres ein deutlich höheres Kauftempo beibehalten. Das auf insgesamt 1,85 Billionen Euro angelegte PEPP-Programm ist eines ihrer Hauptinstrumente, um den Kreditfluss an die Wirtschaft während der Covid-Krise zu stützen. Ziel ist es, während der Pandemie günstige Finanzierungsbedingungen für Unternehmen, Staaten und Haushalte zu bewahren. Zuletzt wurden im Rahmen von PEPP Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von monatlich rund 80 Milliarden Euro erworben. Die PEPP-Käufe sollen noch bis mindestens Ende März 2022 fortgesetzt werden.

Zukunft noch unklar

Eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Notfall-Programms hat die EZB somit noch nicht gefällt. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte unlängst bereits gesagt, die Notenbank habe im Herbst Zeit, auszuarbeiten, was nach dem März 2022 komme. Er hatte zudem signalisiert, dass die Anleihenkäufe auch nach einem Ende von PEPP nicht abrupt gestoppt werden. Parallel zu PEPP läuft derzeit noch ein älteres, "APP" genanntes Anleihenprogramm, dessen monatliche Kaufvolumina aber deutlich geringer sind.

Spannend wird nun sein, wie sich Notenbankchefin Lagarde auf der Pressekonferenz zur Konjunktur im Euroraum äußern wird. Zur Zinssitzung lagen den Ratsmitgliedern neue Wachstums- und Inflationsprognosen der hauseigenen Volkswirte vor, die Experten zufolge höher ausgefallen sein dürften als zuletzt. EZB-Vize Luis de Guindos hatte kürzlich gesagt, dass sich die Wirtschaft schneller von der Coronakrise erhole als bisher gedacht. Die jüngsten Daten seien sehr positiv. Die Inflation ist im Zuge der Erholung sogar auf 3,0 Prozent hochgeschnellt - das ist der höchste Wert seit rund zehn Jahren und liegt deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnte deshalb davor, das Risiko einer zu hohen Inflation nicht auszublenden.

 (apa/reuters)