Nach zehn Jahren Planung und drei Jahren Bautätigkeit, ist die Gaspipeline Nord Stream 2 nun fertiggestellt. Das bestätigte am Freitag Gazprom-Chef Alexej Miller. Ab Oktober sollen dann 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr von Russland durch die Ostsee nach Deutschland befördert worden. Das Energieprojekt war von Anfang an höchst umstritten, geo- und klimapolitisch.

2011, kurz nach der Inbetriebnahme der Pipeline Nord Stream 1, prüften die staatliche russische Gazprom und westliche Partner den Bau einer zweiten Gaspipeline, die ebenfalls Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland befördern sollte. 2015 kündigte dann Gazprom zusammen mit einem Konsortium, an dem die heimische OMV, Royal Dutch Shell, E.ON, Wintershall und Engie beteiligt sind, den Bau der 1230 Kilometer langen Pipeline an. Ein entsprechendes Abkommen wurde im September 2015 unterzeichnet.

Geopolitische Spannungen

Der Bau der Pipeline sorgte immer wieder für Spannungen. 2016 legten acht EU-Staaten, darunter Polen und die baltischen Staaten, Beschwerde gegen den Bau ein. Die Ukraine, die seit der Besetzung der Krim mit Russland im Krieg ist, fürchtet, dass die neue Pipeline als geopolitische Waffe von Russland eingesetzt werden könnte. Bisher war die Ukraine über die Pipeline Druschba ein wichtiges Transitland für russische Gasexporte in Richtung Westeuropa. Außerdem ist das Land auf die Transitzahlungen angewiesen. Jetzt, so die Befürchtungen in Kiew, könnte die Ukraine umgangen und vom Gas-Export abgeschnitten werden.

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Die Ukraine hat aktuell bis 2024 einen Gas-Transitvertrag mit Russland und will ihn unter Vermittlung Deutschlands wegen der gewichtigen Transitzahlungen verlängern. Russlands Präsident Wladimir Putin hat aber vor Kurzem erklärt, dass die Verlängerung und die geförderten Mengen von der Nachfrage in der EU abhängen würden und Russland nicht für den ukrainischen Staatshaushalt verantwortlich sei.

Und dann sind da noch die USA. Im Dezember kündigte der US-Botschafter in Deutschland mögliche Sanktionen für alle europäischen Firmen an, die am Bau von Nord Stream 2 beteiligt sind. Das führte dazu, dass der schweizer-niederländische Konzern Allseas die Bauarbeiten aussetzte. Die Fertigstellung verzögerte sich auch deshalb um mehr als ein Jahr. Eine deutsch-amerikanische Vereinbarung sieht jedenfalls vor, dass Russland mit Sanktionen belegt wird, sollte die Pipeline als geopolitische "Waffe" genutzt werden. Die USA ihrerseits haben aber auch ein Interesse daran, ihr im Verhältnis teureres Fracking-Gas nach Europa zu exportieren.

Klimaschützer dagegen

Kritik kommt auch von Klimaschützern. Sie kritisieren die Abhängigkeit von russischem Gas zu einer Zeit, in der die CO2-Emissionen drastisch gesenkt werden müssen. Gaslieferverträge in diesen Mengen auf Jahrzehnte hinweg seien nicht mit den Klimazielen der EU vereinbar.

Bis erstmals Gas durch die Pipeline fließt, wird es aber noch ein bisschen dauern. Für den Betrieb der Leitung braucht es noch eine Zertifizierung der deutschen Behörden. Das Prüfverfahren ist aufwendig und es gibt auch in Deutschland politischen Widerstand gegen das Projekt. Die Grünen sind grundsätzlich gegen eine Erhöhung der Liefermengen.

Russland will jedenfalls noch heuer 5,3 Milliarden Kubikmeter Gas von Wyborg nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern transportieren. Das Projekte kostete 9,5 Milliarden Euro und wurde je zur Hälfte von Gazprom und dem Unternehmenskonsortium finanziert. (del)